Die St. Johanniskirche in Ellrich

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Die St. Johanniskirche auf dem Marktplatz
Westansicht der St. Johanniskirche mit dem fehlenden Glockenturm im Jahre 2013
Das Schicksal der St. Johanniskirche zu Ellrich war stets sehr eng mit der wechselvollen Geschichte der Stadt verbunden. Sowohl Kirche als auch der Ort erlebten seit ihrer Entstehung unzählige freudige Momente und wohl ebenso zahlreiche Tiefpunkte. Der Glockenturm der Johanniskirche prägte mit seiner Doppelspitze für rund 1000 Jahre das Antlitz von Ellrich entscheidend mit. Das Gotteshaus fand auch Einzug in die regionale Sagenwelt.

Am heutigen Standort am Südende des Marktplatzes wurde vermutlich bereits zur Zeit der Ortsgründung um das Jahr 876 ein erstes kleines Gotteshaus erbaut. Als Baumaterial diente wahrscheinlich Holz, denn das Gebäude hatte nicht lange Bestand und läßt sich in unseren Tagen nicht mehr nachweisen. Bereits aus der Mitte des 10. Jahrhunderts sind Nachrichten vom Wiederaufbau der St. Johanniskirche durch Königin Mathilde überliefert. Wer hätte damals wohl vermutet, daß der Gedanke des Wiederaufbaus der Kirche auch mehr als ein Jahrtausend später noch immer aktuell sein würde?

Auch das um das Jahr 950 errichtete zweite Gotteshaus bestand wahrscheinlich aus Holz. Ein Gebäude aus Stein entstand am gleichen Standort vermutlich erst Anfang des 13. Jahrhunderts. Dieses Bauwerk brannte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach aus und wurde ebenso oft wieder in mehr oder weniger stark veränderter Form instand gesetzt.

Im Verlauf des 30jährigen Krieges vernichtete im Jahre 1627 ein durch Brandstiftung verursachtes Großfeuer nicht nur die Stadt Ellrich, sondern auch die Johanniskirche. Ein weiterer verheerender Großbrand traf Ellrich im Jahre 1860, wobei wiederum nicht nur die Johanniskirche zerstört wurde, sondern auch weite Teile der Stadt. Während dieses Brandes stürzte der Glockenturm ein. In einer 23 Jahre dauernden Bauzeit wurde dieser wieder neu errichtet.

Im Sommer des Jahres 1907 schlug ein Blitz in den Südwestturm der Johanniskirche ein, worauf hin das gesamte Gebäude ausbrannte. Fehler beim bald einsetzenden Wiederaufbau der Kirche und des Doppelturmes führten in der Folgezeit zum vorzeitigen Verfall. Im Jahre 1958 wurde das Gotteshaus wegen Baufälligkeit gesperrt. Die Führung der DDR hatte zudem kein Interesse am Erhalt des Bauwerks. In der für das Volk gesperrten Grenzstadt verfiel die Johanniskirche somit beinahe unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Lediglich die wenigen in Ellrich verbliebenen Bewohner erlebten den Niedergang unmittelbar mit. Stückweise trug man in den folgenden Jahrzehnten den 54 Meter hohen Glockenturm ab - seine Stümpfe sogar erst im Jahre 1990. Ein gleiches Schicksal war dem Kirchenschiff zugedacht worden, doch der ebenfalls marode Staat ging noch vor dem historischen Bauwerk zugrunde. Am Ende der Ära der DDR war von der St. Johanniskirche dennoch nur eine Ruine übrig. Dach und Fenster fehlten und auf den Mauern gediehen diverse Sträucher und kleine Bäumchen.

Einem Förderverein ist es zu verdanken, daß die Johanniskirche erhalten und das Kirchenschiff saniert wurde. Am 28. Juni 2008 konnte das Gotteshaus nach umfangreichen Bauarbeiten im Rahmen eines Festgottesdienstes wieder neu geweiht werden. Für den Wiederaufbau des doppelspitzigen Glockenturmes gibt es ebenfalls bereits recht konkrete Pläne. Vielleicht gehört ja eines nicht mehr allzu fernen Tages dieser Turm wieder ganz selbstverständlich zum Stadtbild von Ellrich dazu.

 


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Weitere Informationen:
Ellrich | Der Stadtplan von Ellrich | Die Hospitalkapelle "St. Spiritus" | Die Marienkirche | Der Nikolaiturm | Die Stadtmauer | Bilder aus Ellrich | Der 30jährige Krieg | Webseite des Förderkreises zum Wiederaufbau der St. Johanniskirche in Ellrich e.V. | Webseite des Fördervereins "Wiederaufbau Glockenturm St. Johannis in Ellrich" e.V.

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