Das Kloster Oberwiederstedt

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Die Klosterkirche in Oberwiederstedt
Teilansicht der Klosterkirche "St. Marien" in Wiederstedt
Ursprünglich befand sich auf dem Kupferberg um die St.-Gangolf-Kirche im heutigen Hettstedt ein Kloster für Augustinerinnen. Dieses Nonnenkloster wurde im Jahre 1261 nur kurze Zeit nach seiner Gründung an den nur wenige Kilometer entfernten neuen Standort in Oberwiederstedt verlegt.

Durch zahlreiche Zuwendungen und eine gute Wirtschaftsführung wurde dieses Kloster bald wohlhabend. Im Spätmittelalter verfügte es über einen großen Landbesitz und diverse Rechte.

Der Legende nach brachte man im Jahre 1289 auf Anordnung des Kaisers die Jodute ins Kloster Oberwiederstedt. Es handelte sich hierbei um ein übermannsgroßes Reiterstandbild aus der Gedenkstätte, welche die siegreichen Sachsen nach der Schlacht am Welfesholz errichteten. Die Figur entwickelte sich zum Ziel unzähliger Wallfahrten und wurde von den Menschen der Umgebung abgöttisch verehrt. Mit der Entfernung der Jodute versprach man sich seinerzeit ein Nachlassen dieser teilweise recht heidnischen Handlungen. Über den Verbleib des Reiterstandbildes sind leider keine weiteren Überlieferungen vorhanden.

Während des Bauernkrieges im Jahre 1525 wurde das Kloster Oberwiederstedt von den aufständischen Bauern geplündert. Dabei gingen zahlreiche wertvolle Gemälde und andere Gegenstände aus der Kirche und den Klostergebäuden verloren. Der Plünderung fiel auch eine umfangreiche Bibliothek zum Opfer. Die Nonnen flohen zunächst, kehrten aber nach dem Ende des Bauernaufstandes zurück.

Dennoch waren nach Reformation und Plünderung die Tage des Klosters gezählt. Eine letzte erhaltene Urkunde stammt aus dem Jahr 1543. In den Jahren danach erfolgte die Säkularisierung des Klosters und damit einhergehend die Umwandlung in ein Rittergut. Dieses Gut gelangte in den Besitz der Grafen von Mansfeld, welche es im Jahre 1561 an Jacob von Blanckenburg verpfändeten. Später entstand auf dem einstigen Klosterareal das Schloß Oberwiederstedt.

Von den einstigen Bauwerken des Klosters ist lediglich die eindrucksvolle Klosterkirche St. Marien erhalten geblieben. Dieses aus Feldsteinen errichtete einschiffige Gotteshaus fällt durch seine ungewöhnlichen Proportionen auf. Es ist rund 60 Meter lang, ca. 10 Meter breit und besitzt einen etwa 30 Meter hohen markanten Westturm mit "welscher Haube". Der Innenraum der Kirche wurde zur Zeit des Klosters in einen Bereich für die Dorfbewohner und einen anderen Bereich für die Nonnen aufgeteilt. Beide Räumlichkeiten trennte man durch eine Mauer voneinander ab.

In der ehemaligen Klosterkirche wurde einst der Dichter Novalis getauft. Das Gebäude nutzte die örtliche Gemeinde noch bis zum Jahre 1978 als Gotteshaus. Seit 1993 finden umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem alten Gemäuer statt.

 


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