Das ehemalige St. Cyriakus-Kloster in Wimmelburg

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Das ehemalige Cyriakus-Kloster in Wimmelburg
Im Vordergrund sehen Sie die Reste der Klosterkirche, im Anschluß daran das Herrenhaus.
Das dem heiligen Cyriakus geweihte Benediktinerkloster in Wimmelburg gilt als das erste Mönchskloster im Mansfelder Land. Es wurde vermutlich um das Jahr 1062 gegründet. Hervorgegangen ist es aus einer nach 1038 entstandenen geistlichen Stiftung, deren Rechte bei Gräfin Christina lagen - ihres Zeichens Ahnherrin der Mansfelder Grafen.

Das Kloster befand sich zunächst in den Mauern bzw. im Umfeld der nicht mehr genutzten "Wimilaburg" auf dem Friedrichsberg nordöstlich des heutigen Ortes Wimmelburg. Dieser Standort erwies sich aber als ungünstig, weshalb der Abt im Jahre 1121 den zuständigen Halberstädter Bischoff um Genehmigung erbat, das Kloster ins Tal zu verlegen. In den folgenden vier Jahrzehnten erfolgte am neuen Platz der Bau einer geschlossenen Klosteranlage, zu welcher eine eindrucksvolle und repräsentative kreuzförmige Basilika gehörte.

Das St.-Cyriakus-Kloster wurde in der Folgezeit sehr wohlhabend und verfügte über umfangreichen Landbesitz. Vermutlich um das Jahr 1120 wurde dem Kloster vom Kaiser auch das Münzrecht verliehen. Seit 1162 erhielten die jeweiligen Äbte vom Papst außerdem die Erlaubnis, die Bischofsmütze (Mitra) zu tragen. Etwa um das Jahr 1325 erfolgte die Einrichtung eines Krankenhauses auf dem Klostergelände.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte in Bezug auf die Grundlagen des Klosterlebens ein gewisser Wertewandel stattgefunden. Ein Versuch der Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte der Benediktiner stellte die Reformierung des Klosters nach der Bursfelder Kongregation im Jahre 1491 dar.

Im Spätmittelalter entwickelte sich das Kloster Wimmelburg zum Wallfahrtsort. Der silbernen Cyriakus-Glocke wurden wundersame Kräfte nachgesagt. Sie stand im Ruf, Epilepsie heilen zu können und den Teufel auszutreiben. Zahlreiche Leidende versammelten sich an den Berghängen rund um das Kloster, um den Klang der Glocke vernehmen zu können. Die Mönche des Klosters nutzten diesen Umstand aus, um die Kranken zumindest von der Last ihres Geldbeutels zu befreien.

Im Mai 1525 wurde das Benediktinerkloster im Zuge des Bauernkrieges von Bauern und Bergmännern der Umgebung gestürmt und geplündert. Dabei fielen alle schriftlichen Unterlagen der Vernichtung anheim. Ein Jahr später erfolgte die Säkularisierung des Klosters. Die Anlage wurde in ein gräfliches Amt und die Klosterkirche in eine evangelische Pfarrkirche umgewandelt.

Der größte Teil der historischen Bausubstanz ging am 10. Januar 1680 durch einen Großbrand unwiederbringlich verloren. Die Flammen verwandelten auch die imposante romanische Basilika in eine Ruine. Einige verbliebene Reste des Gotteshauses konnten in der Folgezeit zu der noch in unseren Tagen sichtbaren und ebenfalls dem heiligen Cyriakus geweihten Pfarrkirche umgestaltet werden. Dieses Bauwerk nimmt aber nur einen kleinen Teil des Ausmaßes des mittelalterlichen Kirchengebäudes ein. Auf den Grundmauern des Langhauses und der Seitenschiffe entstand außerdem ein repräsentatives Herrenhaus. Etwa zu dieser Zeit legte man auch eine Parkanlage im Umfeld dieser Bauwerke an.

Im Jahre 1797 wurde aus Klosteramt in eine Domäne umgewandelt, welche bis zu ihrer Enteignung in Rahmen der Bodenreform im Jahre 1946 Bestand hatte. Das Gelände nutzte man in der Zeit der DDR für landwirtschaftliche Zwecke. In unseren Tagen stehen die verbliebene Reste der Klosteranlage und der Amtsgebäude unter Denkmalschutz.

 


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