Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora

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Gedenkstätte Mittelbau-Dora - Der Tunneleingang
Gedenkstätte Mittelbau-Dora - Der neue Zugang zur ehemaligen unterirdischen Rüstungsfabrik
Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora befindet sich nordwestlich von Nordhausen auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers aus der Zeit des "Dritten Reiches". Dieses entstand im August 1943 als Außenlager "Dora" des Konzentrationslagers Buchenwald. Kern des Lagers war die im Kohnsteinmassiv verborgene Raketenfabrik "Mittelwerk". Das Konzentrationslager dehnte sich schnell aus und bildete seinerseits zahlreiche Außenlager, so daß es ab Ende Oktober 1944 als eigenständiges Lager namens "Mittelbau" - in Anlehnung an die Bezeichnung der unterirdischen Fabrik - geführt wurde.

Im April des Jahres 1945 umfaßte das Stollensystem eine Länge von etwa 20 Kilometer und wies eine nutzbare Fläche von ungefähr 120.000 Quadratmetern auf. Damit war das "Mittelwerk" die seinerzeit größte unterirdische Rüstungsfabrik der Welt. Noch heute zählt das Stollensystem zu den größten Untertage-Anlagen weltweit. Dennoch stellt dies nur ein Fünftel des ursprünglich geplanten Umfanges dar fast der gesamte Berg sollte ausgehöhlt werden.

In der Fabrik im Kohnstein erfolgte hauptsächlich die Montage der beiden Waffensysteme "Fi 103" und "Aggregat 4" ("A4"), welche besser unter ihren Propagandanamen "V1" und "V2" bekannt sind. Die V1 war ein unbemannter Lenkflugkörper mit Autopilot (Marschflugkörper bzw. "Cruise Missile") und die V2 eine Rakete, welche Mach 5 erreichte und jenseits ihres Einsatzes als Waffe als erstes von Menschenhand erschaffenes Objekt in den Weltraum vordrang. Alle Einzelteile stammten aus zahlreichen Zulieferfirmen in ganz Deutschland und wurden mit der Bahn angeliefert, welche bis in den Berg fahren konnte. Ebenso verließen die fertigen Produkte die unterirdische Fabrik auf dem Schienenweg.

Bei den Arbeitern im Mittelwerk handelte es sich vorwiegend um Fachpersonal, welches aus dem gesamten Reich und den besetzten Gebieten zwangsrekrutiert wurde. Diese Personen wurden dennoch nicht besser behandelt als die übrigen Insassen des Konzentrationslagers, lebten aber mit der diffusen Vorahnung, als Geheimnisträger das Lager nicht mehr lebendig zu verlassen. Ein Teil der Arbeiterschaft wurde von Wernher von Braun persönlich ausgewählt.

Von den oberirdischen Anlagen des Konzentrationslagers Mittelbau sind noch das Krematorium, das Feuerwehrhaus sowie eine aus originalen Teilen neu errichtete Baracke vorhanden. Alle sonstigen Bauten sind nicht mehr sichtbar bzw. es existieren nur noch deren Grundmauern. Am 11. April 1945 wurde das Lager von der amerikanischen Armee besetzt und bald darauf an die Rote Armee übergeben. Diese versuchte in den Jahren 1947/48 die unterirdischen Stollen zu sprengen, was aber nur ansatzweise gelang. Vollständig zerstört wurden letztendlich nur die Tunneleingänge. Zum Tunnel B schuf man in den Jahren 1988 bis 1995 einen neuen Zugang. Über diesen neu angelegten Eingang sind heute kleine Ausschnitte des unterirdischen Fabrikgeländes für Besucher zugänglich.

Die oberirdischen Ausmaße des Lagers beliefen sich auf ca. vier Kilometer in der Länge und rund 1,5 Kilometer in der Breite. Das Konzentrationslager war somit einst deutlich größer als das heutige Areal der Gedenkstätte. Diese ist frei zugänglich und kann in großen Teilen individuell erkundet werden. An jedem Objekt sind mehrsprachige Erläuterungstafeln mit Hintergrundinformationen, historischen Bildern und Berichten Betroffener angebracht. Lediglich bestimmte Bereiche wie die erwähnten Stollen lassen sich nur im Rahmen einer Führung begehen. Des Weiteren befindet sich auf dem Gelände ein Museum zur Lagergeschichte.

Vom Harzquerbahn-Bahnhof Nordhausen-Krimderode aus können Sie die Gedenkstätte Mittelbau-Dora auch gut zu Fuß erwandern. Sie folgen von dort dem Goetheweg bis zur Siedlung Obersalza und gehen dann weiter in westlicher Richtung. Das Areal des einstigen Konzentrationslagers erreichen Sie nach etwa 1,5 Kilometern.

 


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Weitere Informationen:
Bilder von der Gedenkstätte Mittelbau-Dora | Nordhausen | Der Kohnstein | Der Bahnhof Nordhausen-Krimderode | Die Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge

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