Die größte unterirdische Apotheke der Welt

Blick zum Regensteinmassiv bei Blankenburg  
Ausblick vom Zapfenbach auf Felsen im militärischen Sperrgebiet  
Nördlich von Blankenburg befindet sich im Felsmassiv des Regensteins ein weit verzweigtes Tunnelsystem. Es liegt in einem militärischen Sperrgebiet und besitzt eine Gesamtlänge von rund acht Kilometern. Die komplexe Anlage ist für den unkundigen Betrachter weder aus der Luft noch aus der näheren Umgebung am Boden erkennbar.

Das gigantische Stollensystem wurde in der Spätphase des 2. Weltkrieges von Häftlingen und Zwangsarbeitern in den Sandsteinfels getrieben. Es sollte ursprünglich eine unterirdische Fabrik zur Produktion von U-Boot- und Raketenteilen aufnehmen. Der weitere Kriegsverlauf verhinderte aber die Ausführung dieser Pläne.

In der Nachkriegsära dienten die riesigen Hohlräume im Felsmassiv des Regensteins als Lebensmittellager und zur Champignonzucht. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde die NVA der DDR auf das Areal aufmerksam. Im Jahre 1974 übernahm dann das Militär die unterirdische Anlage. In den Folgejahren entstand dort ein bestens bewachtes und abgeschirmtes Großlager für Armeetechnik, Munition und Sanitätsmaterial.

Im Jahre 1992 wurde das Stollensystem von der Bundeswehr übernommen. Diese richtete dort die größte unterirdische Apotheke der Welt ein. Heute lagern hier stets große Mengen von mehr als 3000 verschiedenen Arzneimitteln und Medizinprodukten. Von den vor Ort diensthabenden Soldaten werden täglich zahlreiche LKW-Ladungen zusammengestellt und anschließend auf eine Vielzahl von Bundeswehrstandorten verteilt.

An die unterirdische Apotheke schließt sich ein eigenes Labor an. Dieses ermöglicht die Eigenproduktion spezieller Medikamente. Die gigantische Stollenanlage im Sandsteinfels ist außerdem stets gut klimatisiert. Im Inneren des Berges liegt eine künstlich geschaffene geringe Luftfeuchtigkeit sowie eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius vor. Der größte Teil der dafür notwendigen Technik stammt noch aus der NVA-Ära.

Im Laufe der Jahrzehnte gab es in der Bevölkerung der umliegenden Orte immer wieder mal verschiedene Gerüchte über die von ihrem Umfeld so aufwändig abgeschottete unterirdische Anlage. Nicht zuletzt auch, um diesen teilweise recht abenteuerlichen Spekulationen die Grundlage zu nehmen, wird seit einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen ein Tag der offenen Tür in dieser größten Apotheke der Welt durchgeführt. Dieses Angebot wird stets von den in der näheren und ferneren Umgebung wohnenden Menschen und ihren Gästen mit sehr großem Interesse angenommen. Sollte sich auch Ihnen die Möglichkeit zur Besichtigung dieser unterirdischen Stollenanlage bieten, sollten Sie diese seltene Gelegenheit daher nicht ungenutzt vorübergehen lassen.

In der näheren Umgebung befinden sich:
Blankenburg | Die Burgruine Regenstein | Die Sandhöhlen | Die Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge



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