Nachterstedt

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In Nachterstedt
Die neue Nikolai-Kirche wurde im Jahre 1957 erbaut. Im Inneren hängt ein Taufengel aus dem Vorgängerbau in "Alt-Nachterstedt".
Im nördlichen Harzvorland zwischen Quedlinburg und Aschersleben liegt der von etwa 2000 Menschen bewohnte Ort Nachterstedt. Durch die Siedlung führt die Bahnstecke von Aschersleben nach Halberstadt. Am südlichen Ortsrand befindet sich außerdem eine Auffahrt auf die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 6.

Obwohl Nachterstedt bereits im Jahre 961 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist die heutige Siedlung noch keine hundert Jahre alt. Der ursprüngliche Ort mußte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Stück für Stück einem Braunkohletagebau weichen und wurde zwischen 1928 und 1950 etwas weiter südlich neu aufgebaut. An der Stelle des einstigen Dorfes befindet sich in unseren Tagen der Concordiasee. Den früheren Standort der historischen Nikolai-Kirche markiert seit dem Jahre 2007 eine Boje im See, auf welcher eine Nachbildung des Gotteshauses zu sehen ist.

Der Tagebau prägte das Schicksal des Ortes seit der Entdeckung der Kohlelagerstätte im Jahre 1828 bis auf den heutigen Tag. Zunächst erfolgte ab dem Jahre 1842 der Abbau des fossilen Brennstoffes unter Tage, doch da es immer wieder Schwierigkeiten mit der Wasserhaltung gab, ging man ab 1856 zum Tagebaubetrieb über. Der Nachterstedter Braunkohletagebau erlebte in der Folgezeit einen enormen Aufschwung und war um die Jahrhundertwende der größte seiner Art in ganz Preußen.

Zu dieser Zeit hatte sich die Gegend um Nachterstedt zu einer bedeutenden Industrieregion entwickelt. Im Jahre 1865 erfolgte der Anschluß an die Bahnverbindung von Aschersleben nach Halberstadt. In Ortsnähe baute man außerdem eine Brikettfabrik zur Weiterverarbeitung der geförderten Kohle sowie ein Elektrizitätswerk. Noch in den 1960er Jahren fanden rund um den Tagebau etwa 6500 Menschen Lohn und Brot.

Doch der Preis für den wirtschaftlichen Erfolg war sehr hoch. Die Einwohner zahlten u.a. mit dem Verlust ihrer Heimat, zu welcher mehr als nur der weggebaggerte Ort "Alt-Nachterstedt" gehörte.

Im Zuge der ökonomischen Umwälzungen nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 war der Braunkohleabbau bei Nachterstedt nicht mehr konkurrenzfähig. Die Kohleförderung im Nachterstedter Revier wurde darauf hin komplett eingestellt.

Der Tourismus sollte nun eine neue Perspektive für den Ort und die gesamte Region bieten. Im Tagebaurestloch stellte man die Pumpen ab, worauf das Grundwasser begann, dort unten ein kleines Gewässer zu bilden. Der allmählich entstehende See sollte das Zentrum eines Erholungsgebietes werden. Im Jahre 2002 erfolgte bereits die Freigabe des sich bildenden Concordiasees für die touristische Nutzung. Schon bald war er in der gesamten Region als Badegewässer sehr beliebt. Ein Ausflugsschiff befuhr den See, an seinen Ufern wuchs eine Ferienhaussiedlung mit Blick zur Wasserfläche empor. Dazu entstand eine entsprechende, auf Urlauber ausgerichtete Infrastruktur.

Doch der 18. Juli 2009 veränderte die Situation schlagartig. Ein verheerender Erdrutsch am Ufer des Concordiasees riß nicht nur mehrere Nachterstedter Wohnhäuser samt Menschen in die Tiefe, sondern machte auch diverse Zukunftspläne zunichte. Die Auswirkungen dieses tragischen Ereignisses sind im Ort bis heute zu spüren.

Dennoch bleibt Nachterstedt die langfristig optimistische touristische Perspektive erhalten. Dank seiner guten Anbindung an die überregionale Verkehrsinfrastruktur eignet sich der Ort gut für Ausflüge in das nördliche Harzvorland sowie in den Unterharz. Auch rund um die Siedlung gibt es interessante Angebote für Urlauber und Tagesgäste, welche nicht von dem Bergbaufolge-Unglück betroffen sind. Besonders für Familien mit Kindern ist z.B. ein Besuch auf dem nahegelegenen und kostenlosen Großspielplatz "Abenteuerland" bei Neu Königsaue zu empfehlen.

 


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Weitere Informationen:
Der Ortsplan von Nachterstedt | Das Harzer Seeland und der Concordiasee | Der Spielplatz "Abenteuerland"

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