Der Salzige See

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Der Salzige See
Blick vom Aussichtspunkt in Röblingen auf das Gebiet des Salzigen Sees
Der Salzige See war einst eines der beiden großen blauen Augen des Mansfelder Landes. Er erstreckte sich südlich des Süßen Sees von Erdeborn im Westen bis Wansleben im Osten und Langenbogen im Nordosten. Das Gewässer bedeckte eine Fläche von rund 850 Hektar und war damit mehr als dreimal so groß wie der heutige Süße See. Der Salzige See verschwand zwischen 1892 und 1894 innerhalb von weniger als zwei Jahren vollständig von der Oberfläche. Einige Orte am ehemaligen Seeufer tragen noch heute den Namenszusatz "am See" - so z.B. Röblingen und Wansleben.

Erste Wasserflächen auf dem Gebiet des Salzigen Sees entstanden nach der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren. Seine größte Ausdehnung erreichte das Gewässer im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Ermöglicht wurde die Seebildung durch Bodenabsenkungen, welche Folge der Auslaugung der Salzschichten des Zechsteins im Untergrund waren.

Bedingt durch den Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land kam es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer merklichen Verringerung der Seefläche. Wegen des Vordringens der Erzgruben in immer größere Tiefen mußten diese unterirdischen Bereiche frei von Wasser gehalten werden. Aus diesem Grund sank im Verlauf des 19. Jahrhunderts der Grundwasserspiegel im Bergbaurevier deutlich ab. Das Grundwasser floß nun nicht mehr zum Gebiet des Salzigen Sees, sondern folgte dem künstlichen Gefälle in die tiefer gelegenen Bergwerke. Auf dem Weg dorthin löste es zudem große Mengen Salz aus dem Gestein, wodurch sich die bereits vorhandenen Hohlräume weiter ausdehnten.

Im Frühjahr 1892 kam es durch einen Erdfall im Bereich der heutigen Wasserfläche "Teufe" zum plötzlichen Abfluß von rund 30 Millionen Kubikmetern Wasser. Eine Folge davon war das Absinken des Wasserspiegels um etwa vier Meter, wodurch der Salzige See etwa ein Drittel seiner Fläche verlor. Das Seewasser gelangte in die Grubenbaue der Kupferschieferbergwerke. Die Bergbaugesellschaft reagierte mit einem verstärkten Abpumpen des Wassers, welches über den Schlüsselstollen in die Saale gelangte.

Diese Maßnahmen hatten zur Folge, daß sich der Wasserstand im Salzigen See weiter verringerte. Die "Mansfeldsche Kupferschieferbauende Gewerkschaft" erwarb das Recht, den See komplett trockenzulegen. Zwar protestierten die Fischer der angrenzenden Orte, doch konnten sich diese nicht gegen das Bergbauunternehmen durchsetzen. Dieses argumentierte durchaus nachvollziehbar mit dem Schutz der 17.000 Bergmänner im Mansfelder Revier. Die Fischer erhielten von der Bergbaugesellschaft eine Entschädigung. Bereits Anfang des Jahres 1894 war der Salzige See völlig entleert. Übrig blieben lediglich an besonders tiefen Stelle einige kleine mit Wasser gefüllte Restlöcher - vor allem der Kernersee und der Bindersee zwischen Seeburg und Langenbogen sowie verschiedene Wasserflächen im Raum Röblingen.

Die oberirdischen Zuflüsse des Salzigen Sees wurden nach dessen Trockenlegung durch Gräben am Grund des Seebeckens abgeleitet und in einen neu geschaffenen Kanal am ehemaligen Südufer gepumpt. An dieser Verfahrensweise hat sich bis in unsere Tage hinein nichts geändert. Um 1930 wurde eine Straße über den Grund des ehemaligen Sees zwischen Aseleben und Röblingen angelegt. Seit Anfang der 1980er Jahre durchquert außerdem die Trasse der neuen "F80" (heute Bundesstraße 80) den einstigen Seeboden.

Nach dem Ende der Bergbautätigkeit im Mansfelder Revier im Dezember 1969 wurden am 1. Juli 1970 die Pumpen der Bergwerke abgestellt. Die künstlich geschaffenen Grubenbaue und die natürlichen Hohlräume mit einem Gesamtvolumen von 215 Millionen Kubikmetern liefen bis Mitte 1981 mit Grundwasser voll. Zu diesem Zeitpunkt war das Höhenniveau des Schlüsselstollens erreicht, über welchen das Restwasser seither ohne weitere technische Maßnahmen abläuft. Der Grundwasserspiegel im einstigen Bergbaurevier erhöhte sich deutlich und die unterirdischen Wasserflüsse änderten teilweise ihren Weg. Sie ergießen sich seither wieder in das Gebiet des ehemaligen Salzigen Sees. Längst versiegte Solquellen begannen ab der Mitte der 1980er Jahre wieder zu sprudeln. Auf diese Weise vergrößerten sich die verhandenen Wasserflächen und neue kamen hinzu. Alle Restflächen und neu entstandenen Gewässer bedecken heute etwa 15 Prozent der einstigen Seefläche.

In den 1990er Jahren gab es Überlegungen, den Salzigen See wieder neu entstehen zu lassen. Doch ein erneuter massiver Eingriff in die neu ausbalancierte Natur hätte unvorhersehbare Risiken mit sich gebracht. Hinzu kämen vermutlich diverse wirtschaftliche und rechtliche Unwägbarkeiten. Daher nahm man nach der Jahrtausendwende Abstand von dieser Idee.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte wurden die Wasser- und Schilfflächen zum Refugium für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Das Areal des einstigen Salzigen Sees ist heute ein Naturschutzgebiet mit einer enormen Artenvielfalt. Der größte Teil der Schutzfläche wurde im Jahre 2012 einer Umwelt-Stiftung übertragen.

 


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Das Mansfelder Land | Der Bergbau im Mansfelder Land | Der Schlüsselstollen | Der Süße See

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