Die Lessinghöhle

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Die Lessinghöhle bei Bad Suderode
Blick zu den drei Eingängen der "Lessinghöhle"
Im Kalten Tal befindet sich südwestlich des Kurparks von Bad Suderode wenige dutzend Meter unterhalb des Fischteiches die "Lessinghöhle". Vor den drei Eingängen zu dieser kleinen Untertagewelt erstreckt sich eine größere freie Fläche. Dieser Platz wird im Jahresverlauf für diverse Veranstaltungen genutzt, z.B. für Feierlichkeiten zur Walpurgisnacht. Auf Grund des dichten Baumbestandes im Umfeld ist das Areal vor der Lessinghöhle auch am Tage relativ dunkel.

Bei der "Lessinghöhle" handelt es sich um keine Höhle im eigentlichen Sinne, da sie nicht natürlichen Ursprungs ist. Die Hohlräume sollten daher eher als Grotten, besser aber als Stollen und Schächte bezeichnet werden.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle im Auftrag der Äbtissin von Stolberg ein Bergwerk angelegt, in welchem ein Abbau von Kupfer- und Eisenerz erfolgen sollte. Aus dem Berg förderten die Bergmänner schließlich bis ins 17. Jahrhundert hinein Flußspat, Kupferkies Arsenkies und Bleiglanz. Ob das Bergwerk rentabel betrieben werden konnte oder die Anteilseigner Zubuße leisten mußten, ist nicht überliefert worden. Die Erzgrube geriet jedenfalls nach deren Stillegung recht bald in Vergessenheit.

Im Rahmen der Gewinnung von Schotter für den Straßenbau entdeckten Arbeiter in den 1870er Jahren der Zugang zu dem ehemaligen Bergwerk wieder. Der Magdeburger Forscher C. F. A. Lessing erkundete im Jahre 1877 die Hohlräume hinter den drei Eingangsstollen. Bei seinen Vermessungen stellte er fest, daß der erhaltene Teil 41 Meter lang war und in den Schächten das Wasser bis zu 25 Meter hoch stand.

Das fortan "Lessinghöhle" genannte frühneuzeitliche Bergwerk wurde anschließend mit Gestein verfüllt. Im Jahre 1906 richtete man hier ein Wasserwerk ein, um mit dem aus dem Berg austretenden kostbaren Naß die Versorgung des Ortes mit Trinkwasser zu verbessern. Doch bereits drei Jahre später wurde diese Wassergewinnungsanlage durch einen Felssturz zerstört.

Eine letzte bergbauliche Erkundung in der "Lessinghöhle" erfolgte im Jahre 1952. Die Bergbaugesellschaft Wismut lies hier seinerzeit nach uranhaltigem Erz suchen. In der damaligen Frühphase des "Kalten Krieges" war dieses Material von enormer strategischer Bedeutung. Doch der Anteil des radioaktiven Metalls in den Erzgängen erwies sich als nicht abbauwürdig, was in diesem Fall sicher einen glücklichen Umstand für Bad Suderode und den Harz darstellte.

In unseren Tagen ist die "Lessinghöhle" für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die von Menschenhand erschaffenen Hohlräume stellen ein Rückzugsgebiet für Fledermäuse dar und stehen daher unter besonderem Schutz.

 


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