Die Grube Dorothea

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Dorotheer Rösche
Das Mundloch der Dorotheer Rösche gewährt angemeldeten Besuchern einen Zugang zur Untertagewelt im Bereich der einstigen Grube Dorothea.
Bergbau war zu allen Zeiten ein schwieriges und riskantes Unterfangen. Nicht nur die menschlichen, sondern auch die finanziellen Verluste konnten an die Existenz gehen. Wohl die meisten Bergbauunternehmen der Menschheitsgeschichte vermochten es nie, nachhaltig rentabel zu arbeiten. Sie wurden über kurz oder lang insolvent und ihre Namen gerieten in Vergessenheit.

Ganz anders stellte sich die Situation bei der Grube Dorothea bei Clausthal im Oberharz dar. Wer hier zu den Investoren zählte, wurde nicht nur wohlhabend, sondern reich. Diese westlich des Oberen Pfauenteiches gelegene Erzgrube war das ergiebigste Silberbergwerk des Clausthaler Reviers.

Im Jahre 1656 wurde die Grube Dorothea in Betrieb genommen. Die Einstellung der bergbaulichen Tätigkeiten erfolgte im Jahre 1886. Bis 1705 arbeitete das Bergwerk mit Verlust und die Kuxinhaber mußten Zubuße leisten, doch dann stießen die Bergmänner auf reiche Erzvorkommen.

Von 1709 bis 1864 warf die Grube Dorothea ihren Anteilseignern jedes Jahr einen Gewinn ab. Etwa ab 1720 erhielten die Investoren jahrzehntelang pro Quartal und Kux eine Ausbeutezahlung von 100 Thalern. Seinerzeit bekam ein Tagelöhner ebenso wie ein einfacher Soldat um die 50 Thaler im Jahr ausgezahlt, ein Handwerker etwa 70 Thaler und ein Lehrer ungefähr 100 Thaler.

Die Bergleute drangen mit der Zeit in immer größere Tiefen vor. Um 1720 wies der Schacht eine Teufe von etwa 180 Metern auf, 1751 waren es bereits 293 Meter und im Jahre 1778 347 Meter. Im 19. Jahrhundert erreichte die Grube Dorothea mit einer maximalen Tiefe von 576 Metern etwa das Niveau des Meeresspiegels.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Ausbeute des Bergwerks allmählich abzusinken, um bis zum Jahre 1830 jedoch wieder deutlich anzusteigen. Doch das notwendig gewordene Vorstoßen in immer größere Tiefen machte nun aber die beginnende Erschöpfung der Lagerstätte spürbar. Dennoch gelang es, die Grube Dorothea für weitere Jahrzehnte wirtschaftlich zu betreiben und nach und nach geringer werdende Ausbeutezahlungen an die Anteilseigner auszuschütten.

Zum Höhepunkt der Produktion förderten die insgesamt rund 150 Bergmänner wöchentlich rund 320 Tonnen Erz. Außer Silber gewann man aus dem metallhaltigen Gestein auch größere Mengen an Blei und Kupfer.

Für die relativ hoch in den Bergen gelegene Erzgrube wurde im Laufe der Jahre ein umfangreiches Wasserversorgungssystem geschaffen. Mit großem Aufwand schüttete man zahlreiche Teichdämme auf, legte Wassergräben an und trieb Wasserläufe in den Fels. Bedeutende Teile des heutigen Weltkulturerbes der Oberharzer Wasserwirtschaft ("Oberharzer Wasserregal") verdanken ihre Existenz der Grube Dorothea und der benachbarten Grube Caroline.

Im Laufe der Zeit besuchten unzählige prominente Persönlichkeiten die Grube Dorothea. Zu diesen gehörten u.a. Johann Wolfgang von Goethe, James Watt und Heinrich Heine. Doch auch viele heute namentlich nicht mehr bekannte zahlende Gäste, deren Gesamtzahl ungefähr bei 20.000 lag, verweilten als Besucher unter Tage.

Ein kleiner Abschnitt der weitläufigen untertägigen Anlagen ist auch heute wieder für Touristen zugänglich. Diese können die Dorotheer Rösche als Teil der einstigen Energieversorgung im Rahmen einer Führung besichtigen. Nach vorheriger Anmeldung erhalten die Besucher der alten Bergwerksanlage eine spezielle Ausrüstung für die "Befahrung" der 700 Meter langen Strecke. Der Weg führt vom Mundloch des Wasserlaufes am Damm des Mittleren Pfauenteiches bis zum Wetterschacht der Grube Caroline. Dort gelangt man auf Leitern etwa 20 Meter in die Höhe, bis das Tageslicht erreicht ist.

Die Grube Dorothea verschwand nach der Einstellung der Bergbautätigkeit aus dem Antlitz der Landschaft. Abgesehen von den weitläufigen wasserwirtschaftlichen Anlagen sind von dem einstmals so bedeutenden Bergwerk in unseren Tagen für den Laien keine oberirdischen Spuren mehr zu erkennen.

 


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