Die Grube "Wennsglückt"

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Tagesstollen der Grube Wennsglückt  
Der verschlossene Tagesstollen der Grube "Wennsglückt"  
Die Grube "Wennsglückt" befindet sich östlich von St. Andreasberg am Westhang des Beerberges und nur wenige dutzend Meter südöstlich der Grube "Roter Bär". Das Bergwerk wurde im Jahre 1564 unter dem Namen "Theuerdanck" erstmals erwähnt. Aus dieser ersten Betriebsphase blieben der Nachwelt kaum Informationen über den Grubenbetrieb erhalten. Vermutlich wurden aber alle Stollen oberhalb des Tagesstollens und bis zu etwa 40 Meter in der Tiefe in der Zeit vor dem 30jährigen Krieg in den Fels getrieben.

Anschließend ruhte der Abbau für eine unbekannte Zeitspanne, aber mindestens für mehrere Jahrzehnte. Eine zweite Betriebszeit begann in der Grube ab 1691 unter der Bezeichnung "Treue Gesellschaft". Gefördert wurden vor allem Bleiglanz, Fahlerz und Kupferkies. Um 1693 erhielt das Bergwerk seinen neuen, zwischen Hoffen und Bangen schwankenden und vermutlich der damaligen Stimmungslage der hier tätigen Bergleute entsprechenden Namen "Wennsglückt". Eine zwischenzeitlich deutlich verbesserte Technik zur Wasserhaltung sowie der Einsatz von Wasserkraft ermöglichte das Vordringen der Bergarbeiter in größere Tiefen. Das notwendige Wasser führte ab 1712 der (Neue) Rehberger Graben den Wasserrädern der Erzgrube zu. Um 1729 erhielt die Grube Wennsglückt einen Anschluß an den Grünhirscher Stollen, welcher das im Berg anfallende Wasser zur Sperrlutter hin ableitete. Dennoch stiegen in der Folgezeit und mit zunehmender Tiefe des Schachtes die Betriebskosten immer weiter an. Die hinzukommende deutliche Abnahme der Ergiebigkeit der Erze machte die Förderung schließlich unrentabel. Aus diesem Grund wurden die Arbeiten im Bergwerk im Jahre 1751 bei einer Schachttiefe von 295 Metern eingestellt.

Das gesamte in dieser dokumentierten Periode aus der Grube Wennsglückt gewonnene Metall belief sich auf 135 Kilogramm Silber, 1370 Zentner Kupfer und mehrere hundert Zentner Blei. In Relation zur langen Betriebszeit von rund sechs Jahrzehnten und der harten Arbeit der Bergleute ist das nicht sehr viel. Von diesen geringen Mengen konnte niemand wohlhabend oder gar reich werden - der Grubenbetreiber nicht und die Bergleute schon garnicht.

Einige Jahrzehnte später erfolgten erneut Versuche zur Erzförderung im Schacht der Grube Wennsglückt. Dieses Mal galt das Interesse dem Brauneisenstein. Von 1790 bis 1812 wurde der Schacht bis in eine Tiefe von 355 Meter vorgetrieben. Er erhielt im Jahre 1804 Anschluß an den Sieberstollen, was die Wasserhaltung etwas vereinfachte. Dennoch waren alle Bemühungen letztendlich nicht von Erfolg gekrönt und die unrentablen Arbeiten in der Grube Wennsglückt wurden wieder eingestellt und selbige verfüllt.

Nach weiteren kurzzeitigen Aktivitäten in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in den 1920er Jahren erneute Untersuchungen in dem alten Schacht durchgeführt. Auch diese blieben wiederum vergeblich.

Ab dem Jahre 1991 wurden die alten Stollen im Rahmen der Ausweitung des Lehrbergwerks Roter Bär abermals wieder für Forscher zugänglich gemacht. Dabei kam es zur Wiederentdeckung einiger nur mit Schlägel und Eisen vorgetriebener Gänge aus dem späten 16. Jahrhundert. Es ist geplant, bestimmte Abschnitte der Grube Wennsglückt zukünftig auch für Besucher zu öffnen. Bereits heute ist dieses alte Bergwerk eine wichtige Station auf dem Geologisch-Bergbauhistorischen Wanderweg.

 


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