Die Radstube der Grube Thurm Rosenhof

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Huthaus der Radstube der Grube Thurm Rosenhof
Der Zugang zur unterirdischen Radstube erfolgt über das neu erbaute Huthaus.
Am westlichen Stadtrand von Clausthal-Zellerfeld befindet sich an der Zufahrtsstraße zum Ottiliaeschacht die runde Radstube der einstigen Grube Thurm Rosenhof. Dieses Zeugnis des Altbergbaus war jahrhundertelang der Standort des Kehrrades dieses Silberbergwerkes.

Die Grube Thurm Rosenhof war eine der bedeutendsten Erzgruben im Clausthaler Revier. Hier baute man vom Beginn des 16. Jahrhunderts ohne Unterbrechung bis in das 20. Jahrhundert hinein Erz auf dem Rosenhöfer Gangzug ab. Damit war Thurm Rosenhof nicht nur eines der ältesten Bergwerke des Oberharzes, sondern auch eines der am längsten betriebenen.

Ursprünglich entstand die einen Durchmesser von etwa 10,50 Meter aufweisende Radstube als oberirdisches Gebäude. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs aber die nahe Halde mit dem Abraum aus dem Inneren des Berges immer weiter an. Das taube Gestein lagerte man aus Kostengründen im näheren Umfeld des Bergwerkes ab.

Dieses Haldenmaterial drohte nun, das Bauwerk um das Kehrrad zu verschütten. Aus diesem Grund errichteten die Bergmänner eine massive Ringmauer um das Wasserrad herum. Die Mauer wurde mit dem Anwachsen der Halde erhöht, so daß die Radstube am Ende 24 Meter unter der Erdoberfläche lag. Bauweise und Größe der nunmehr untertägigen Radstube sind dadurch einzigartig auf der Welt.

Das von dicken Mauern geschützte Kehrrad trieb die im Jahre 1840 eingebaute Fahrkunst an. Im Jahre 1878 ereignete sich an dieser Personenbeförderungsanlage eines der verhängnisvollsten Grubenunglücke im Oberharzer Bergbau. Das Fahrkunstgestänge brach und riß beim Absturz in den Schacht 11 Bergmänner mit in den Tod. Obendrein wurden bei dem tragischen Unfall 20 Grubenarbeiter schwer verletzt. Dennoch war die reparierte Anlage aber bis in die 1920er Jahre hinein weiter in Betrieb.

Nach der Einstellung des Bergbaus in Clausthal-Zellerfeld im Jahre 1930 wurde die nun nicht mehr benötigte runde Radstube zugeschüttet. Sie ereilte damit das Schicksal, welches die Mauern über Generationen hinweg zuverlässig verhinderten. In der Folgezeit geriet das unterirdische Gebäude für viele Jahrzehnte in Vergessenheit.

Durch Zufall wurde es um die Jahrtausendwende wiederentdeckt und bald darauf ausgegraben. Das Altbergbauareal kann seit dem Jahre 2005 im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Der Zugang erfolgt dabei über das sog. Huthaus, welches man über dem Standort des Kehrrades errichtete. Das heutige Gebäude wurde dem historischen Vorbild - dessen genaues Aussehen nicht mehr bekannt ist - soweit wie möglich nachempfunden.

In unseren Tagen gehört die Kehrradstube zum Oberharzer Bergwerksmuseum. Sie ist eine von derzeit vier Außenstellen und Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Die Besucher müssen auf Grund der genannten Umstände heute über Treppen und Leitern entsprechend tief in die Radstube hinabsteigen. Das montanhistorische Bauwerk veränderte sein optisches Erscheinungsbild durch den Einbau der Treppe sehr deutlich. Eine seinerzeit erwogene Möglichkeit des untertägigen Zugangs über einen nahegelegenen Schacht wurde nicht umgesetzt.

 


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Weitere Informationen:
Clausthal-Zellerfeld | Der Stadtplan von Clausthal-Zellerfeld | Das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld | Der Ottiliae-Schacht | Der Rosenhöfer Gangzug

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