Der Schlüsselstollen

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Das Mundloch des Schlüsselstollens
Das Mundloch des Schlüsselstollens bei Friedeburg
Der Schlüsselstollen ist ein einst als Erbstollen angelegter Wasserlösungsstollen für das Mansfelder Bergbaurevier. Er hat eine Gesamtlänge von 32,3 Kilometern und gehört damit zu den längsten Bergbaustollen in ganz Europa. Der Bau des Schlüsselstollens dauerte inklusive einer längeren Pause von 1751 bis 1891, wobei der wesentliche Teil der Arbeiten zwischen 1809 und 1879 erfolgte. Das Gefälle beträgt auf der gesamten Länge lediglich 7,90 Meter, was im Durchschnitt gut 24 Zentimeter pro Kilometer bedeutet. Damit stellt der Schlüsselstollen eine Meisterleistung der Ingenieurskunst der damaligen Zeit dar.

Bis 1758 wurde der Stollen unter der Bezeichnung "Friedeburgischer neuer Haupt- und Erbstollen" in Richtung des Katzenthaler Reviers vorangetrieben. Ab Dezember 1809 setzte man die Arbeiten an diesem nun "Tiefer Mansfelder Schlüsselstollen" genannten Entwässerungsbau fort. Die Finanzierung des Generationenprojektes sicherte ein eigens für diesen Zweck gegründeter Stollenverein.

Das Mundloch des Schlüsselstollens liegt rund einen Kilometer südwestlich von Friedeburg am kleinen Flüßchen Schlenze kurz vor deren Mündung in die Saale. Die Höhe dieses Stollenmundloches befindet sich etwa vier Meter über dem Hochwasserniveau der Saale. Diese Positionierung zeigt in Verbindung mit dem geringstmöglichen Gefälle, daß der Wasserlösungsstollen so tief wie möglich auf das Bergbaurevier treffen sollte, um ein Maximum an Grubenwasser ohne weitere technische Maßnahmen abfließen zu lassen. Mit dem Bau des Schlüsselstollens waren alle diesbezüglichen Möglichkeiten vollständig ausgereizt worden.

Von Friedeburg aus verläuft der Schlüsselstollen zunächst in westlicher Richtung bis Gerbstedt. Dieser Ort wird direkt unterquert, anschließend schlägt der Stollen einen langgestreckten Bogen südlich an Welfesholz vorbei und durch den Hettstedter Ortsteil Burgörner. Im weiteren Verlauf biegt er dann über Großörner nach Süden ab und passiert Klostermansfeld, Benndorf und Helbra und endet schließlich zwischen Wimmelburg und Eisleben am ehemaligen "Otto-Schacht 5".

Im Zusammenhang mit dem Bau des Schlüsselstollens entstanden etwa 50 Lichtlöcher. Der Wasserlösungsstollen wurde von verschiedenen Orten aus gleichzeitig in das Gestein getrieben. Er wurde zunächst 1,30 Meter breit und 2,60 Meter hoch angelegt. Da in der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits absehbar war, daß der künftige Wasserabfluß aus dem Gesamtrevier höher sein würde als ursprünglich angenommen, erfolgte ab 1856 eine Erweiterung der bestehenden Stollenabschnitte auf 1,60 Meter Breite und 2,90 Meter Höhe. Diese Maße galten auch für alle neu hinzugekommenen Bereiche.

Am 29. Mai 1879 erfolgte der Durchschlag zwischen dem nördlichen und dem südlichen Bauabschnitt im Gebiet zwischen den Orten Leimbach und Klostermansfeld. Damit war der Schlüsselstollen in der Lage, große Teile des Mansfelder Bergbaureviers zu entwässern.

In den 1870er Jahren war der Erzabbau aber bereits in deutlich größere Tiefen vorgedrungen. Das Wasser mußte daher auf das Niveau des Schlüsselstollens hinaufgepumpt werden. Große Tiefen bargen aber auch erhebliche Gefahren im zerklüfteten Gestein des Mansfelder Reviers. Durch die stetige Auslaugung des Anhydrits und Steinsalzes oberhalb der Kupferschieferlagerstätten waren im Laufe der Jahrtausende enorme unterirdische Hohlräume entstanden. Einige dieser sogenannten "Schlotten" waren mit Wasser gefüllt.

Ab den 1880er Jahren kam es immer wieder zu massiven Wassereinbrüchen in Folge des Anbohrens dieser Schlotten. Dabei standen nach kurzer Zeit die Grubenbaue unter Wasser, was die Bergleute unter Tage in erhebliche Gefahr brachte. Auch der Salzige See hatte Verbindung zu diesen riesigen, mit Wasser gefüllten Höhlen. In den Jahren 1892 und 1893 flossen große Teile des Seewassers über undichte Stellen in die Grubenbaue und letztendlich über den Schlüsselstollen zur Saale hin ab. Der Wasserlösungsstollen hatte dabei zeitweise Wassermengen von 200 Kubikmetern pro Minute zu bewältigen. Aus diesem Grund wurde der Salzige See unmittelbar darauf aus Sicherheitserwägungen heraus komplett abgepumpt.

Bis zur Einstellung des Bergbaus im Mansfelder Revier am 12. Dezember 1969 kam es noch mehrfach zu schweren und gefährlichen Wassereinbrüchen. Ab Juli 1970 erfolgte die Flutung der ausgeerzten Gruben. Im Laufe von elf Jahren liefen diese bis zum Niveau des Schlüsselstollens voll. Die durch den Bergbau entstandenen Hohlräume unterhalb dieses Wasserlösungsstollens haben ein Volumen von etwa 44 Millionen Kubikmetern, hinzu kommen außerdem natürliche Hohlräume mit einem Rauminhalt von 171 Millionen Kubikmetern.

Seit dem Jahre 1981 fließt das Restwasser aus den stillgelegten Bergwerken wieder über den Schlüsselstollen zur Saale ab. Die Wassermenge beträgt derzeit etwa 20.000 Liter pro Minute. Das über den Schlüsselstollen abgeleitete Wasser ist stark salzhaltig und enthält größere Mengen verschiedener Metalle. Der Stollen sorgt momentan für ein hydraulisches Gleichgewicht in ehemaligen Bergbaurevier. Würde man den Abfluß reduzieren, wäre u.a. ein Anstieg des Wassers in den Restlöchern des Salzigen Sees die Folge.

 


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