Der ehemalige Wolfschacht / Fortschrittschacht bei Volkstedt

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Die Halde des Fortschrittschachtes
Blick vom Gelände der Flachhalde auf die 153 Meter hohe Spitzkegelhalde des ehemaligen Fortschrittschachtes
Der nach Dr. Theodor Wolf benannte Schacht bei Volkstedt gehörte zu den größten Schachtanlagen in der Mansfelder Mulde und war außerdem einer der größten Erzschächte in Europa. Die Abteufung erfolgte in den Jahren 1906 bis 1909 und reichte rund 600 Meter in das Innere der Erde hinein. Geplant war hier der Abbau von Kupferschiefer, doch beim Vorstoß in die Tiefe stießen die Bergmänner auch auf zwei mächtige Kaliflöze. Aus diesem Grund wurde von 1911 bis 1914 parallel zum Ausbau des Erzbergwerkes im Wolfschacht Kalisalz abgebaut.

In der Zeit von 1917 bis 1923 entstand der Anschluß des Wolfschachtes an das Gleisnetz der Mansfelder Bergwerksbahn. Auf Grund des schwierigen Geländes waren dafür umfangreiche Erdarbeiten erforderlich. Außerdem bauten die Arbeiter auf diesem Streckenabschnitt vier Eisenbahnbrücken.

Im Juli 1923 erfolgte erstmals die Förderung des unter Tage abgebauten Kupferschiefers durch den Wolfschacht. In der Folgezeit kamen hier diverse neue Abbautechnologien zum Einsatz. Unter Tage beförderte man das Erz mit zunächst von Pferden, später von Lokomotiven gezogenen Grubenbahnen. Die Bergleute gelangten u.a. mit Hilfe von Seilbahnen an ihren Arbeitsplatz. Um das Jahr 1930 waren bereits rund 4000 Bergmänner im Wolfschacht beschäftigt.

Im Jahre 1949 benannte man den Wolfschacht in Fortschrittschacht um. Zwei Jahre später nahm eine Höhenförderanlage ihren Betrieb auf. Der unter Tage anfallende Abraum wurde seither auf einem Teil der bisherigen Flachhalde zu einer riesigen Spitzkegelhalde aufgeschüttet. Zwischen der 7. und der 10. Sohle fuhr ab 1953 außerdem eine Zahnradbahn. Doch die Tage des Bergwerkes waren bereits gezählt, denn die Lagerstätte näherte sich ihrer Erschöpfung. Zu Beginn der 1960er Jahre begann die schrittweise Umsetzung der Bergmänner in das Sangerhäuser Revier. Am 8. Dezember 1967 endete die letzte Schicht im Fortschrittschacht.

In den Folgejahren verfüllten die Arbeiter den Fortschrittschacht und bauten die Förderanlagen ab. Die zum Bergwerk führenden Bahngleise der Bergwerksbahn wurden ebenfalls demontiert. Dabei erfolgte auch der Abriß der teilweise sehr eindrucksvollen Eisenbahnbrücken. In den oberirdischen Gebäuden begann man ab dem Jahre 1968 mit der Produktion von Möbeln und in den 1980er Jahren mit der Herstellung von Bohrmaschinen.

Während der gesamten Betriebszeit ereigneten sich im Wolf- bzw. Fortschrittschacht 147 tödliche Unfälle auf Grund verschiedenster Ursachen. Dies zeigt die Gefährlichkeit der Arbeit der Bergmänner auf und fordert noch heute Respekt vor dieser schweren Tätigkeit. Insgesamt wurden in diesem Bergwerk ca. 16,8 Millionen Tonnen Erz gefördert, welches etwa 350.000 Tonnen Kupfer enthielt.

Die in unseren Tagen sichtbarste Hinterlassenschaft des Fortschrittschachtes stellt der große, rund 26 Hektar umfassende Haldenkomplex dar. Er besteht aus der vorwiegend in den Jahren bis 1950 aufgeschütteten Flachhalde, welche maximal 53 Meter hoch ist. Dieser Teil der Halde enthält neben taubem Gestein (Zechsteinkalk) auch nicht verwendete Armerze. Der mittlere Bereich der Flachhalde ist in unseren Tagen wieder mit üppiger Vegetation bedeckt. Schon aus großer Entfernung fällt dagegen die riesige Spitzkegelhalde ins Auge. Mit 153 Metern ist sie die höchste Halde im Mansfelder Land. Sie enthält 8,5 Millionen Kubikmeter Gestein und stellt mit diesem Volumen eines der massivsten von Menschenhand erschaffenen Gebilde überhaupt dar.

In der jüngeren Zeit entdeckte man das enorme touristisches Potential der Spitzkegelhalde. An bestimmten Tagen darf ihr Gipfel von jedermann erklommen werden. Von oben können Sie eine herrliche Aussicht auf weite Teile des Mansfelder Landes und die nahe Stadt Eisleben genießen.

 


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Weitere Informationen:
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