Canossa, Bismarck und die Säule von Bad Harzburg

Anzeige:
Die Canossa-Säule
Die Canossasäule auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg
Wer sich nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Harzvorland kommend Bad Harzburg nähert, sieht schon von Weitem auf einem Berg hoch über den Dächern der Stadt eine hell erleuchtete Säule aufragen. Dieser 19 Meter hohe steinerne Obelisk auf dem Burgberg wurde im 19. Jahrhundert aufgestellt und ist eines der markantesten Wahrzeichen des Kurortes am Ausgang des Radautales. Anlaß für die Errichtung der Granitsäule war ein Ausspruch des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck, welcher einen gedanklichen Bogen aus der Gegenwart des Jahres 1872 ins Hochmittelalter spannte.

In jenem Jahr gab es nämlich Unstimmigkeiten zwischen dem noch jungen Deutschen Reich und dem Vatikan. Der Heilige Stuhl in Rom hatte den deutschen Gesandten Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst abgelehnt, welcher die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifelte. Das führte im Mai 1872 zu einer heftigen Auseinandersetzung im Reichstag. Reichskanzler Bismarck verkündete dabei vor dem Hohen Hause: "Seien sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig."

Fünf Jahre später, im August des Jahres 1877, wurde auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg die "Canossa-Säule" eingeweiht. Mit diesem Obelisk auf dem Gelände der einstigen Harzburg sollte einerseits an Bismarcks Ausspruch vor dem Reichstag gedacht werden, welcher inzwischen zum geflügelten Wort geworden war. Andererseits erfolgte mit der weithin sichtbaren Granitsäule auf historischem Boden der erwähnte Brückenschlag 800 Jahre zurück in die deutsche Vergangenheit.

In jenem Jahre 1077 gipfelte der schon länger schwelende Streit zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen König Heinrich IV. - dem Gründer der Harzburg - im berühmten Gang nach Canossa. Bei diesem Gang zog Heinrich IV. am 25. Januar 1077 barfuß, im Gewande des Büßers und unter Tränen vor die Burg von Canossa, in welcher sich Papst Gregor VII. aufhielt, um ihn um die Aufhebung des Kirchenbanns zu bitten. Drei Tage musste der arme König so ausharren, bis ihn der Papst schließlich von seinem Bann erlöste.

Dieser Bußgang nach Canossa blieb als (scheinbare) Niederlage der weltlichen Macht noch jahrhundertelang im Bewußtsein der Deutschen lebendig. Aus diesem Grund hatte Bismarcks Ausspruch solch ungeheure Symbolkraft.

An der nachts von starken Scheinwerfern angestrahlten Canossa-Säule prangt eine Bronzetafel mit dem Bildnis des früheren Reichskanzlers. Eine weitere Tafel aus Stein verewigt außerdem den legendären Ausspruch des seinerzeit überaus populären Politikers.

In unseren Tagen gehört die Canossa-Säule zu den beliebtesten Ausflugszielen im Gebiet von Bad Harzburg. Vom Fuß des Bauwerks haben Sie eine herrliche Aussicht auf die Stadt und das angrenzende nördliche Harzvorland. Im Jahre 2018 wurde der inzwischen mehr als 140 Jahre alte Obelisk mit Hilfe von Spendengeldern aufwändig saniert.


Anzeige:

Mehr Informationen zur Canossasäule:
Inschrift "Nach Canossa gehen wir nicht!"

Es gibt noch mehrere weitere Bauwerke zu Ehren Bismarcks im Harz:
Der Bismarckturm bei Opperode | Der Bismarckturm auf dem Kummel bei Bad Lauterberg | Der Bismarckturm bei Osterwieck | Der Bismarckturm in Quedlinburg

Mehr Informationen zu Bad Harzburg:
Bad Harzburg | Der Stadtplan von Bad Harzburg | Die Ruine der Harzburg | Veranstaltungen in Bad Harzburg | Der Große Burgberg | Die Burgbergseilbahn

Anzeige:

HomeInhaltsverzeichnisImpressum • Foto: fm