Die Untertage-Verlagerung "Basalt" ("Dachs IV")

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In einem großflächigen Gipsmassiv am südlichen Rand des Osteroder Ortsteils Petershütte befinden sich die Überreste der Untertage-Verlagerung "Basalt". An diesem Ort rund 1,5 Kilometer nordwestlich der Altstadt von Osterode planten die historischen Nationalsozialisten die Errichtung eines unterirdischen Hydrierwerkes. Neben der dem damaligen Verschlüsselungsschema entsprechenden Tarnbezeichnung "Basalt" als Name der U-Verlagerung ist das großindustrielle Projekt auch unter dem Begriff "Dachs IV" bekannt.

Die tief im Berg versteckte und somit vor den anglo-amerikanischen Bomberverbänden geschützte unterirdische Erdölraffinerie der Hamburger Firma Rhenania-Ossag war Teil des sog. "Geilenberg-Programms" zur Sicherung der Mineralölversorgung. Auf einer Fläche von etwa 17.000 Quadratmetern sollten dort Benzin, Heizöl und diverse weitere Mineralölprodukte produziert werden. Zum An- und Abtransport der Rohstoffe und Endprodukte war außerdem ein unterirdischer Bahnhof mit Anschluß an das Streckennetz der Deutschen Reichsbahn geplant.

Das Projekt sah vor, insgesamt 15 parallele und bis zu 200 Meter lange Stollen in den Berg zu treiben. Zahlreiche Querverbindungen sollten daraus ein komplexes untertägiges Netzwerk entstehen lassen. Die Fertigstellung der Anlage war für Februar 1946 vorgesehen.

Zuvor musste aber der bisherige Eigentümer des Gebietes, ein regionales Gipsunternehmen, enteignet werden. Zur damaligen Zeit war dies aber eine reine Formsache. Die Betriebsleitung der Firma protestierte erfolglos gegen den Entzug ihrer Geschäftsgrundlage.

Nach einer kurzen Planungsphase begannen ab Oktober 1944 die Vortriebsarbeiten an sieben der Tunnelbauwerke. Auf der Baustelle waren bis zu 2000 Arbeiter gleichzeitig beschäftigt. Unter diesen befanden sich zahlreiche Häftlinge. Diese wurden in nahe gelegenen und extra für diesen Zweck errichteten Lagern untergebracht.

Der Abbruch der Arbeiten an der Untertage-Verlagerung "Basalt" erfolgte scheinbar sehr überstürzt am 21. März 1945. Vergessenes Werkzeug und Schuttberge geben bis heute Hinweise auf das offensichtlich unvorbereitete Ende der Tätigkeiten im Berg. Zu diesem Zeitpunkt waren von der projektierten Anlage etwa 1300 Meter Tunnel geschaffen worden und in diesen insgesamt rund 8000 Quadratmeter untertägiges Areal entstanden. Von den vorgesehenen technischen Gerätschaften der Raffinerie wurde noch nichts installiert. In den letzten Kriegstagen dienten die noch zum größten Teil im Rohbau befindlichen Stollen als Zufluchtsort für die ortsansässige Bevölkerung vor den herannahenden alliierten Truppen.

Heute wie damals befinden sich die Tunnelanlagen auf dem Betriebsgelände eines Steinbruches. Die Stollenmundlöcher sind daher für Betriebsfremde nicht zugänglich. Darüber hinaus ist das Tunnelsystem im Laufe der Jahrzehnte schon zu einem beträchtlichen Teil abgetragen worden.

Das wertvolle Historiotop wird also eines Tages völlig verschwunden sein. Damit gehen auch bedeutsame Relikte aus der Zeit des "Dritten Reiches" für zukünftige Generationen unwiederbringlich verloren. Bereits heute fällt es schwer, sich das Ausmaß der geplanten Untertage-Anlage sowie die Vorgänge bei deren Errichtung vorzustellen. Historische Ereignisse geraten so allmählich in Vergessenheit oder verschwimmen im Nebel der Vergangenheit. Auf diese Weise wird in Jahrhunderten aus Geschichte Legende und die Deutung dem gerade herrschenden Zeitgeist überlassen.


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Weitere Informationen:
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