Die Kelle

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Die Kelle bei Appenrode
Der Eingang zur Kelle
Im Südharzer Gipskarstgebiet befindet sich die Kelle, eine Resthöhle im Karstgestein und ältestes Naturdenkmal des Landkreises Nordhausen. Diese Karsthöhle liegt zwischen Ellrich und Ilfeld nahe des Ortes Appenrode in einem mehrere dutzend Hektar großen, "Kellholz" genannten Waldstück. Die Kelle besitzt einen etwa 5 Meter tiefen Höhlensee. Ihre heutigen Ausmaße betragen etwa 25 Meter in der Höhe, 16 Meter in der Breite und 20 Meter in der Länge.

Die Kelle zeigt exemplarisch die Entwicklung von Karsterscheinungen. Deren Entstehung und Verfall verlaufen in geologisch sehr kurzen Zeiträumen ab. Veränderungen an und in der Höhle wurden über mehrere Jahrhunderte hinweg dokumentiert.

Bereits im Mittelalter war die Kelle den Menschen wohlbekannt. Sie nutzten Sie u.a. als Wallfahrtsort. Zahlreiche Sagen aus dieser Ära ranken sich seitdem um diese Höhle.

Im Jahre 1589 wurde die Karsthöhle erstmals auf einer topographischen Karte erwähnt. Eine erste Beschreibung folgte bald darauf durch den Ellricher Diakon Heinrich Eckstorm. Seinerzeit war die Kelle bedeutend größer als in unseren Tagen. Sie besaß eine Länge von beinahe 100 Metern, eine Breite von ca. 80 Metern sowie eine Höhe von bis zu 47 Metern. Den Boden bedeckte fast vollständig ein Höhlensee.

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wird von einer Öffnung in der Höhlendecke berichtet. Diese ließ Tageslicht herein und tauchte das Höhleninnere in ein einzigartiges romantisches Licht, leitete aber gleichzeitig auch den Verfall der Kelle ein. Im Laufe der folgenden Jahre vergrößerte sich dieses Loch durch Verbruch immer weiter.

Die Kelle war zu dieser Zeit beliebt als Schauplatz der Handlung manches uns heute weitestgehend unbekannten Literaturwerkes. Des Weiteren entwickelte sie sich zu einer bedeutenden Attraktion für erste Harz-Touristen. Für etwa ein halbes Jahrhundert zählte die Kelle zu den schönsten Höhlen im Harzgebiet. Etwa um das Jahr 1830 stürzte die Decke aber vollständig ein und die Kelle erhielt ihre derzeitige Gestalt. In unseren Tagen sind lediglich noch der hinterste Teil der einst mehr als dreimal größeren Karsthöhle und ein Rest des Höhlensees vorhanden.

Die Kelle liegt direkt am Karstwanderweg und läßt sich über diesen sowie von anderen umgebenden Orten aus gut erwandern. Der Weg zu diesem Naturdenkmal ist gut ausgeschildert. Über eine Treppe können Sie den Erdfall betreten und einen Blick in die Resthöhle werfen. An heißen Sommertagen empfängt den Wanderer am Eingang zur Kelle angenehm kühle Höhlenluft. Das Wasser des Höhlensees ist ebenfalls sehr kalt und ohne Leben. Nur gelegentlich erschüttert ein herunterfallender Wassertropfen seine glatte Oberfläche.

Im Kellholz befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Kelle noch zahlreiche weitere Erdfälle. Das gesamte Areal war - und ist vermutlich auch heute noch - großflächig unterhöhlt. Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie daher die markierten Wege nicht verlassen.

 


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Weitere Informationen:
Appenrode | Der Karstwanderweg | Begriffserklärungen zu Karsterscheinungen | Wandern im Harz

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