Die Westersteine

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Westersteine
Eine senkrecht aufragende Steilwand am Barbiser Westerstein
Die Westersteine sind zwei markante und dicht bewaldete Dolomitfelsen im südlichen Harzvorland nahe den Orten Barbis und Bartolfelde. Man unterscheidet sie in den westlich gelegenen kleineren Barbiser Westerstein und den etwas weiter östlicheren und größeren Bartolfelder Westerstein. In der umgebenden hügeligen Gipskarstlandschaft sind die beiden Westersteine gut zu erkennen, denn sie überragen die Umgebung um bis zu 40 Meter.

Bei den Westersteinen handelt es sich um die Reste eines Riffes aus dem Zechsteinmeer. Die in Europa einzigartigen Felsen bestehen aus sehr dünnen versteinerten Algenmatten (Stromatolithen). Stromatolithen sind mikroskopisch klein und mit ihrem Auftauchen vor fast drei Milliarden Jahren die ältesten bekannten Lebewesen überhaupt.

Die Zechsteinära markierte den Übergang vom Erdaltertum (Paläozoikum) zum Erdmittelalter (Mesozoikum) und datiert vor ungefähr 250 Millionen Jahren. Das Südharzgebiet war seinerzeit von einem flachen tropischen Meer mit zahlreichen, in unseren Tagen als Eichsfeldschwelle bezeichneten Untiefen und kleinen Inseln bedeckt. Dieser genannte Abschnitt des Meeresgebietes erstreckte sich im Bereich des heutigen Südharzvorlandes rund um Bad Lauterberg und Bad Sachsa. Der betreffende Teil der Erdscholle lag damals allerdings noch in einer ganz anderen Weltregion - und zwar im Bereich des heutigen Nordafrikas. Er ist erst im Verlauf weiterer Jahrmillionen durch Kontinentaldrift an seinen derzeitigen Platz gelangt.

Im warmen Flachwasser waren unzählige Lebewesen beheimatet. Darunter befand sich eine Vielzahl an kleinsten Organismen, welche aber riesige Kolonien bildeten. Es entstanden so im Verlauf von Äonen mächtige Riffe, deren obere Bereiche bis an die Wasseroberfläche ragten. Deren glatte und leicht gerundete Außenflächen konnten der Brandung des Meeres gut widerstehen. Nach dem Absterben des Riffes und dem Verschwinden des Zechsteinmeeres trotzte das harte Material der Verwitterung, so daß die Überreste der urzeitlichen Lebewesen bis in unsere Tage hinein bestehen konnten.

Die Reste der beiden Urzeitriffe stehen heute als Naturdenkmal unter Schutz. Klettern an den Felswänden und sonstige Aktivitäten, welche Beschädigungen hervorrufen könnten, sind daher nicht erlaubt.

Im stark zerklüfteten und mit unzählichen kleinen Hohlräumen versehen Gestein der Westersteine wurden zahlreiche eingeschlossene Fossilien gefunden. Unter diesen befanden sich diverse urzeitliche Muschel- und Schneckenarten.

Das Gelände an bzw. auf den Westersteinen wurde wahrscheinlich bereits in prähistorischer Zeit als Siedlungsgebiet des Menschen genutzt. Auf Grund der exponierten Lage und der zahlreichen steilen Felswände drängt sich hier der Gedanke an den Bau befestigter Anlagen förmlich auf. Forscher vermuten daher folgerichtig derartige frühzeitliche Bauwerke im Bereich der Westersteine. Möglicherweise existierte einstmals auf den Dolomitklippen eine Wallburg. Diese historisch nie erwähnte Festungsanlage existierte aber bereits zu Beginn der für uns überschaubaren Geschichte nicht mehr. Eventuell von Menschenhand geschaffene Geländeveränderungen sich jedenfalls nach all den Jahrtausenden nicht mehr von der natürlich entstandenen Umgebung unterscheidbar.

Sie erreichen die beiden Westersteine zu Fuß oder mit dem Fahrrad von den nahen Orten Bartolfelde oder Barbis. Der Karstwanderweg führt direkt an den überwiegend von Buchen bestandenen vorzeitlichen Riffen vorbei. Von diesem Hauptweg zweigen mehrere schmale Pfade ab, welche näher an die fossilen Felsen heranführen.

In der näheren Umgebung befinden sich:
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