Der Aschersleber Globus

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Der Aschersleber Globus
Der Aschersleber Globus steht auf einer zentralen Wegkreuzung im Stadtpark.
Im Stadtpark von Aschersleben steht an zentraler Stelle eine eigentümliche übermannshohe Bronzeplastik. Dieses Werk des Berliner Künstlers Oliver Störmer ist eine materialisierte Darstellung der sogenannten "Potsdamer Kartoffel". Mit dieser werden die Ungleichgewichte im Schwerefeld der Erde stark überhöht veranschaulicht. Somit handelt es sich bei dem scheinbar unförmigen Bronzeobjekt im Mittelpunkt der Parkanlage um ein nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erschaffenes Abbild der Erde. Die anläßlich der Landesgartenschau 2010 aufgestellte Plastik trägt aus diesem Grund auch die Bezeichnung "Aschersleber Globus".

Der Aschersleber Globus schlägt eine Brücke in die Vergangenheit und verbindet die Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Gegenwart. Seinerzeit erschuf einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Aschersleben, der Universalgelehrte Adam Olearius, den Gottorfer Globus. Bei diesem handelte es sich um eine drei Meter hohe kugelförmige Konstruktion, welche auf ihrer Außenseite die damals bekannte Welt darstellte und im Inneren über einen Vorläufer des heutigen Planetariums verfügte.

Der Aschersleber Globus hat mit einer Höhe von rund drei Metern und einer Masse von etwa 3100 Kilogramm ähnliche Ausmaße wie dieser historische Globus aus dem 17. Jahrhundert. Ebenso wie dieser will er dem Betrachter das zeitgemäße Antlitz der Welt vermitteln. Anhand beider Globen läßt sich gut ein Teil des Wandels erkennen, welchen das wissenschaftliche Bild der Erde im Verlauf der Jahrhunderte durchlief.

In längst vergangenen Zeiten glaubten die Menschen, die Erde wäre eine Scheibe. Später ging man von der Kugelgestalt der Erde aus. Doch auch diese Annahme stimmt nicht ganz. Was in Bezug auf die Landflächen jedermann noch sofort einleuchtet, trifft auch auf die Oberfläche der Ozeane zu. Eine ungleichmäßige Verteilung der Masse im Erdinneren sorgt dafür, daß die Form der Erde eher der einer Kartoffel ähnelt. Die Wissenschaftler sprechen hierbei von einem "Geoid".

Mit Hilfe moderner Satellitentechnik ist es möglich, die Abweichungen der Erdoberfläche von der Idealform sehr genau zu erfassen. Aus diesen Daten haben die Fachleute vom GeoForschungsZentrum in Potsdam ein aktuelles Geoid der Erde errechnet. Um Hebungen und Senkungen auf der Oberfläche anschaulicher darzustellen, wurden diese Differenzen im Modell sehr stark überhöht.

Bis zum Jahre 2010 existierte dieses Modell nur auf den Festplatten der Rechner. Im März des genannten Jahres erblickte die Öffentlichkeit erstmals das Geoid als reales Objekt. Als "Aschersleber Globus" steht es seither für jedermann frei zugänglich auf einer Wegkreuzung unter mächtigen Bäumen.

Bis zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr 2010 war der Stadtpark von Aschersleben als Ort der Ruhe bekannt. Nun ist die Parkanlage auch ein Platz der Wissenschaft. Ein Besuch im Stadtpark ist durch die einzigartige Symbiose von moderner Forschung und Kunst besonders lohnenswert. Wo sonst können Sie eine derart große Bronzeplastik besichtigen, deren Form von Satellitendaten wesentlich mitbestimmt wurde?

 


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