Die Burg Freckleben

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Die Burg Freckleben
Im Innenhof der Burg Freckleben - Blick zum Brunnen und zum Bergfried
Die Burg Freckleben steht auf einer nach drei Seiten hin steil abfallenden Anhöhe am südwestlichen Ortsrand von Freckleben. Der markante Geländepunkt war vermutlich schon in prähistorischer Zeit besiedelt und wurde mit den damaligen Mitteln befestigt. Aus der Ära der Völkerwanderungen sind umfangreiche Wallanlagen einer frühgeschichtlichen Fluchtburg erhalten geblieben.

Das gesamte Areal der Burg dehnt sich in Nord-Süd-Richtung rund 500 Meter und in Ost-West-Richtung etwa 250 Meter aus. Es wurde von einem mehrfach angelegten Wall-Graben-System geschützt. Die Kernburg mit annähernd trapezförmigem Grundriß hat eine maximale Ausdehnung von ca. 100 x 80 Meter.

Nordwestlich der zentralen Anlage stand einst eine rund einen Hektar große, für den Laien heute nicht mehr erkennbare Hinterburg. Hier warten im Erdboden wohl noch unzählige archäologische Überraschungen auf die zukünftigen Forscher. Gegenüber an der Südostseite der wehrhaften Burg befand sich im Mittelalter eine großflächige Vorburg. Auch dort sind in unseren Tagen keine oberirdischen Hinweise auf diese frühere Bebauung mehr zu sehen.

Die ersten Teile der heutigen Burganlage entstanden in der Zeit der Karolinger. Am Fuße der Burg führte seinerzeit ein bedeutender Heer- und Handelsweg vorüber. Die mächtige Festung diente u.a. dem Schutz dieser Straße.

Ein umfangreicher Ausbau der Burganlage erfolgte im 10. Jahrhundert. Zu dieser Zeit entstand u.a. der massive Bergfried 1. Die eingesetzten Burgverwalter benannten sich im Hochmittelalter nach dem Festungsbauwerk. Von 1166 bis 1479 war es im Besitz des Erzbistums Magdeburg, danach ein Lehen der Fürsten von Anhalt. Im 16. Jahrhundert gab man die Burg auf und wandelte sie in eine Domäne um.

Vom 17. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war die ehemalige Reichsburg ein Zentrum der Schafzucht. Durch diese veränderte Nutzung der Anlage wandelte sich auch deren Antlitz. So stand z.B. auf dem Hof der Kernburg noch bis zum Jahre 1993 ein großer Stall für Schafe. Die Wiesen rund um die Burg sollen seinerzeit mit bis zu 4000 dieser Tiere bevölkert gewesen sein.

Die Festungsanlage besitzt einen kastellartigen Charakter. Noch heute vermittelt sie den Eindruck einer enormen Wehrhaftigkeit. Von den einstmals drei besonders markanten Türmen sind noch zwei erhalten geblieben.

In der östlichen Ecke steht der sog. "Bergfried 1". Dieser Wohnturm mit seinem massiven Mauerwerk stammt vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Er gehört damit zu den ältesten noch erhaltenen Gemäuern der Burganlage. Der Bergfried 1 weist seiner Entstehungszeit entsprechend zahlreiche typische Merkmale der romanischen Bauepoche auf. Fachleute gehen davon aus, daß dieser heute rund 16 Meter hohe Turm ursprünglich deutlich weiter hinaufragte. Nach der Aufgabe der Burg begann u.a. auch der Verfall dieses Bergfriedes. Ende des 16. Jahrhunderts fehlte ihm bereits das Dach. Die Turmruine wurde um das Jahr 1870 gesichert und mit einer provisorischen Bedachung versehen. Seine heutige Gestalt erhielt der Bergfried 1 im Jahre 2008 im Rahmen einer umfangreichen Sanierung, bei welcher er außerdem zum Aussichtsturm ausgebaut wurde.

An der Westseite der Kernburg steht der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaute Bergfried 3. Dieser ursprüngliche Wohn- und Fluchtturm weist einige seltene Eigentümlichkeiten auf. Sein quadratischer Grundriß geht im Bereich des 4. Obergeschosses in eine achteckige Grundform über. Der Eingang zum Turm befand sich einstmals in mehr als acht Metern Höhe. Im Erdgeschoß war ein somit von außen nur sehr schwer zugängliches Gefängnis untergebracht. Die oberen Stockwerke nutzte man lange Zeit als Taubenturm. Dort befinden sich auch die in Deutschland einmaligen Drehspindelleitern. Sie stellen eine außergewöhnliche technische Rarität dar. Die einzelnen Stufen sind drehbar gelagert und ragen frei in den Raum hinein. Diese zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Leitern wurden im Jahre 1997 im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten am Turm wiederentdeckt. Im Zuge dieser von 1991 bis 2002 andauernden Bauarbeiten erfolgten außerdem u.a. eine Reparatur des Daches, die Erneuerung der Fassade sowie eine am Original orientierte Wiederherstellung des Turminneren.

Der dritte Turm mit der Bezeichnung "Bergfried 2" stand einst im Nordosten der Kernburg. Ende des 19. Jahrhunderts war er so baufällig geworden, daß man mit seinem Abriß begann. Der Abbruch des Turmes vollzog sich in Etappen bis zum Jahre 1912. Die Steine fanden beim Bau von Wohnhäusern in der Ortslage Freckleben Verwendung.

Auf dem Burghof unweit des Bergfrieds 3 befindet sich ein 27 Meter tiefer Brunnen. Er wurde im Jahre 1966 bei Bauarbeiten wiederentdeckt und im Jahre 2000 restauriert. Eine ehemalige Scheune beherbergt in unseren Tagen ein Museum, in welchem Sie historische landwirtschaftliche Gerätschaften besichtigen können. Diese Räumlichkeiten werden außerdem für diverse Veranstaltungen genutzt. Auf dem Gelände der Burg finden darüber hinaus jedes Jahr das Schäferfest sowie ein Weihnachtsmarkt statt.

Nahe der Burg fanden Feldarbeiter im Jahre 1860 vier Gefäße mit insgesamt rund 4000 Silbermünzen aus dem Hochmittelalter. Unter diesen wegen ihrer Beschaffenheit auch als "Brakteaten" bezeichneten Pfennigmünzen befanden sich viele Stücke, welche bis dahin den Gelehrten völlig unbekannt waren und diesen somit neue Erkenntnisse über jene längst vergangene Epoche brachten.

Die Außenanlagen der Burg sind heutzutage für jedermann frei zugänglich. Sie können die mittelalterliche Festungsanlage vom Ort Freckleben aus in wenigen Minuten erwandern. Dabei lassen sich gut die großflächigen Wall-Graben-Anlagen im Vorfeld der Burg erkunden. Am Zufahrtsweg zur Burganlage gibt es außerdem nahe des Eingangs einige wenige Parkmöglichkeiten für Pkws.

 


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