Die steinerne Jungfrau von Dölau

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Die steinerne Jungfrau von Dölau
Größter Menhir in Sachsen-Anhalt: Die steinerne Jungfrau von Dölau
Sie ist wahrlich schon eine recht alte Jungfer, welche da am Feldrand bei Dölau seit der Jungsteinzeit unabänderlich an der selben Stelle verharrt. Vor mehr als 4000 Jahren setzten die Menschen des Neolithikums den in unseren Tagen als "steinerne Jungfrau" bezeichneten größten Menhir Sachsen-Anhalts an diesen Platz - vermutlich im Rahmen und zum Zwecke uns heute unbekannter kultischer Handlungen. Mangels jedweder Überlieferungen aus jenem fernen Zeitalter läßt sich selbst der für die Errichtung des "Langsteins" verantwortliche Personenkreis nicht wirklich benennen.

Spätere Generationen nutzten den markanten Quarzitstein für ihre eigenen jeweiligen Zwecke. Bis in die jüngere Vergangenheit hinein diente er noch als religiöser Versammlungsort. Vermutlich wurde im Mittelalter am Fuße des Menhirs Gericht gehalten. Zuvor soll oben auf dem "Hinkelstein" ein Bildnis einer germanischen Gottheit platziert gewesen sein. Wohl nicht zuletzt auf Grund dieser bewegten Vergangenheit trägt die steinerne Jungfrau von Dölau auch die Bezeichnung "Heidenstein".

Antlitz und Umfeld der steinernen Jungrau haben sich im Verlauf von Äonen deutlich verändert. Aus Stein war sie von Anbeginn, auch wenn die Sage von einer auf Grund ihres frevelhaften Verhaltens derart zugerichten jungen Frau berichtet. Das helle Gestein verfärbte sich durch die Umwelteinflüsse der zurückliegenden Jahrtausende dunkel bis ins Schwarze hinein.

Überliefert ist außerdem, daß der heute noch etwa 5,50 Meter hohe Menhir aus Tertiärquarzit noch bis zum Jahre 1890 eine Höhe von mehr als acht Metern aufwies. Seinerzeit brach der obere und stark verwitterte Teil ab. Bei den kleineren Gesteinsblöcken im Umfeld der steinernen Jungfrau dürfte es sich wohl um die damals hinabgestürzten Bruchstücke handeln.

Heute nicht mehr verifizierbare Berichte künden zudem von einer Menhirgruppe. Die Jungfrau von Dölau war demnach nicht allein und soll einst zwei Begleiter (oder waren es Begleiterinnen?) gehabt haben. Verschiedene Sagen widersprechen sich allerdings diesbezüglich und helfen hier mitnichten beim Lichten des Nebels der Vergangenheit.

Eine weitere Verwendung fand der steinzeitliche Menhir im Mittelalter als sog. Nagelstein. Eisennägel wurden bei Gewitter oder Starkregen in das Gestein getrieben und sollten dem Betreffenden wünschenswertere Lebensumstände bescheren. Einige Relikte dieses ebenfalls als kultische Handlung kategorisierbaren Brauches können auch heute noch vom aufmerksamen Besucher der steinernen Jungfrau betrachtet werden.

Obwohl einstmals von Menschen an diesen Standort verbracht, steht der imposante Menhir in unseren Tagen als Naturdenkmal unter Schutz. Die steinerne Jungfrau ist obendrein seit dem Jahre 2004 als Geotop ausgewiesen.

Der eindrucksvolle Menhir läßt sich leicht erreichen und ist jederzeit frei zugänglich. Er steht allerdings für Ortsfremde etwas versteckt am Ende eines unbefestigten Fahrweges am Rande einer Kleingartenanlage am Ortsausgang von Dölau in Richtung Brachwitz. Sie können diese "Jungfrauenweg" genannte Piste befahren und etwa auf halber Strecke zwischen Landstraße und Menhir an einer Wegverbreiterung ihr Auto parken und wenden.

Die verbleibenden gut 100 Meter sollten Sie zu Fuß zurücklegen, denn es gibt direkt an der "Jungfrau" keine Möglichkeit, das Fahrzeug abzustellen. Das Steinzeitrelikt steht etwas erhöht und ist nun nicht mehr zu verfehlen. Vom Standort des Hinkelsteins haben Sie außerdem einen schönen Ausblick auf die nähere Umgebung.

 


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