Grenzlandschaft Sorge - ein Freiland-Grenzmuseum

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Wachtturm an der ehemaligen innerdeutschen Grenze
Grenzzaun mit Minenfeld und Beobachtungturm auf dem Gelände des Freiland-Grenzmuseums bei Sorge
In einem Waldstück bei Sorge können Sie im Freiland-Grenzmuseum ein Stück deutscher Geschichte am Originalstandort mit originalen Exponaten besichtigen. Die Epoche der deutschen Teilung ist für viele Menschen, welche diese Ära nicht miterlebt haben, heute lediglich ein Kapitel im Geschichtsbuch. Darum sind die Erinnerung an diese unheilvolle Grenze sowie die mit dieser dunklen Seite der deutschen Geschichte verbundene Mahnung um so wichtiger, zumal die Zeitzeugen naturgemäß immer weniger werden.

Das Freilandmuseum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Schutzstreifens im Vorfeld der einstigen innerdeutschen Grenze. Vom Parkplatz am Ebersbach am westlichen Ortsrand von Sorge bis zum "Ring der Erinnerung" sind etwa zwei Kilometer Wegstrecke zu bewältigen. Sie sehen unterwegs zahlreiche Originalstücke der Grenzanlagen, so u.a. den "Grenzzaun II" mit Hundelaufanlage, Erdbunker und Gewässersperren, einen Beobachtungsturm am Kolonnenweg, den "Grenzzaun I" und Minensperren, eine Gedenktafel für die Opfer der Grenze sowie das Naturkunstwerk "Ring der Erinnerung".

Das Areal des durchschnittlich rund 500 Meter breiten Schutzstreifens hinter dem äußeren Grenzzaun (Grenzzaun II) war das uneingeschränkte Hoheitsgebiet der Grenztruppen der DDR. Ab hier wurde auch ohne Vorwarnung scharf geschossen. Wer sich in diesem Gebiet ohne Berechtigung aufhielt, stand - nicht zu Unrecht - im Verdacht, den Arbeiter-und-Bauern-Staat per Republikflucht ohne behördliche Genehmigung verlassen zu wollen.

Am Beginn des Weges durch das Freiland-Grenzmuseum sehen Sie den übermannshohen "Grenzzaun II". Dieser war durch Y-förmige Übersteigungssperren sowie durch aus nichtrostender Legierung hergestelltem Stacheldraht gesichert. Das Material dafür wurde übrigens über Umwege vom Klassenfeind aus der BRD bezogen. Vor dem Bauwerk erstreckte sich ein mehrere Meter breiter, glatter und vegetationsfreier Kontrollstreifen. An einigen Stellen gab es auch Hundelaufanlagen innerhalb der ohne Hilfmittel unüberwindbaren Zaunkonstruktion.

Zur zusätzlichen Sicherung der Grenzanlagen standen im Wald Erdbunker aus Betonfertigteilen, welche der Beobachtung des Umfeldes dienten. Des Weiteren sehen Sie ein Beispiel für eine Gewässersperre in Form von Mehrfachverrohrungen im Bereich des Grenzzaunes II. Diese Vorrichtung verhinderte recht effektiv die Flucht durch Flüsse und Bäche.

Der Weg führt weiter über den Kolonnenweg zum etwa 900 Meter entfernten Beobachtungsturm. Dieser markante, in den 1970er Jahren erbaute Betonturm ist 11 Meter hoch. An der Außenwand ist ein Lautsprecher und auf dem Dach ein Scheinwerfer angebracht, welcher die Ausleuchtung des umgebenden freien Areals ermöglichte. Der baumlose Streifen war partiell als Minenfeld ausgelegt. An dieses verminte Gebiet schloß sich der innere Grenzzaun (Grenzzaun I) an. Einige seiner Abschnitte waren eine Zeit lang mit den berüchtigten Selbstschußanlagen (SM-70) versehen.

Hinter der rund drei Meter hohen Zaunkonstruktion befand sich bis hin zur Staatsgrenze ungenutztes Niemandsland. Im Bereich des Freiland-Grenzmuseums hatte dieser Waldstreifen eine Breite von fast einem halben Kilometer. Die eigentliche Grenze zur BRD war unbefestigt und wurde lediglich durch Grenzsteine markiert. An einigen Abschnitten gab es zusätzlich noch Kfz-Sperrgräben - wie z.B. vor dem Ort Hohegeiß.

Etwa 500 Meter westlich des Beobachtungsturmes befindet sich der "Ring der Erinnerung". Wenige Meter davor erhebt sich am Waldrand eine kleine Gedenkstätte für die getötenen Flüchtlinge im Grenzschutzstreifen bei Sorge. Es handelt sich bei diesen um fünf namentlich bekannte Männer aus der DDR sowie um einen unbekannten Soldaten der Sowjetarmee. Sie starben im Zeitraum von 1963 bis 1983 beim Versuch, die massiven Sperranlagen zu überwinden.

Das sich anschließende Naturkunstwerk "Ring der Erinnerung" basiert auf einer Idee des Künstlers Herman Prigann und wurde im Herbst 1992 durch ABM-Kräfte errichtet. Als Material fanden abgestorbene Bäume aus der unmittelbaren Umgebung Verwendung. Dieses Totholz verrottet mit der Zeit und wird somit zum Nährboden für neue Pflanzen. Es symbolisiert den ewigen Kreislauf aus Werden und Vergehen. Innerhalb des begehbaren Ringes blieben neun Betonpfeiler des einstigen Grenzzaunes als Erinnerung an die Epoche der deutschen Teilung erhalten.

Am Wegesrand finden Sie im Freiland-Grenzmuseum zahlreiche Hinweistafeln mit technischen und historischen Erläuterungen rund um die Grenze und ihre Befestigungsanlagen. Der Eintritt in die historische Grenzlandschaft ist kostenlos. Die einzigartige Ausstellung kann rund um die Uhr betreten und besichtigt werden. Der kürzeste Weg beginnt am eingangs erwähnten Parkplatz bei Sorge. Sie können das Freilandmuseum aber auch von umliegenden Orten wie Benneckenstein oder Hohegeiß bequem erwandern.

Wer noch mehr rund um das Thema "deutsche Teilung" wissen möchte, wird im benachbarten Ort Sorge fündig. Dort können Sie im ehemaligen Bahnhofsgebäude eine weitere Ausstellung zur ehemaligen innerdeutschen Grenze besichtigen. Sie sehen in diesem anläßlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls eröffneten Museum ein Modell der Grenzanlage sowie diverse Alltagsgegenstände der Grenztruppen der DDR und der zivilen Bewohner dieser Region. Der Besuch ist derzeit nur im Rahmen einer vorher angemeldeten Führung möglich. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite des Vereins Grenzmuseum Sorge e.V..

 


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Mehr Informationen:
Sorge | Bilder vom Freiland-Grenzmuseum | Webseite des Vereins Grenzmuseum Sorge e.V.

In der näheren Umgebung befinden sich:
Braunlage | Benneckenstein | Hohegeiß | Tanne

Weitere Orte der Erinnerung an die deutsche Teilung im Harz:
Das Grenzlandmuseum in Tettenborn | Der Grenzstein auf dem Eckerstaudamm | Gedenkstein zur Wiedervereinigung

HARZLIFE.TV-Video:
Auf den Spuren der einstigen innerdeutschen Grenze in der Grenzlandschaft Sorge

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