Der Tiefe Georg-Stollen

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Der Tiefe Georg-Stollen ist ein Wasserlösungsstollen, welcher das in die Gruben des Silbernaaler, Rosenhöfer, Bockswieser und Burgstätter Reviers eingesickerte Grundwasser aufnahm und aus dem Berg herausleitete. Er wurde in den Jahren von 1777 bis 1799 erbaut und liegt ca. 135 Meter unter dem 13-Lachter-Stollen - dem bis dahin tiefsten Wasserlösungsstollen. Vom Mundloch in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs von Bad Grund verläuft der Tiefe Georg-Stollen in Richtung Osten bis zum Rosenhöfer Zug, unterquert anschließend den Marktplatz von Clausthal in einer Tiefe von etwa 250 Meter und endet an der ehemaligen Grube Caroline am äußersten südöstlichen Ende des Burgstätter Zuges.

Die ersten Planungen für diesen Wasserlösungsstollen reichen bis in das Jahr 1771 zurück. Zu dieser Zeit hatten die Gruben des Rosenhöfer und Burgstätter Zuges bereits solche Tiefen erreicht, daß damit die vorhandenen Möglichkeiten für ein Herauspumpen des Wassers bis fast an die Grenze ausgereizt waren. Aus diesem Grund war ein neuer und tieferer Wasserlösungsstollen dringend erforderlich, wollte man den Bergbau im Oberharz nicht auf mittlere Sicht zum Erliegen kommen lassen. Zu Ehren des Landesherren König Georg III. wurde das geplante Bauwerk Tiefer Georg-Stollen genannt.

Nach etwa sechsjähriger Planungs-, Beratungs- und Verhandlungsphase erfolgte am 26. Juli 1777 der erste Hammerschlag zum Bau des neuen Stollens. Diese "Grundsteinlegung" fand am Stollenmundloch in der Bergstadt Grund statt. Sie wurde gemeinsam vom Berghauptmann von Reden und dem Oberbergmeister Steltzner durchgeführt, welche beide einen wesentlichen Anteil an der Vorplanung des Bauwerks hatten.

Der Tiefe Georg-Stollen wurde von mehreren Orten aus gleichzeitig in den Fels getrieben. Täglich waren mindestens 40, teilweise sogar bis zu 100 Männer an dem Bauwerk im Einsatz. Die Arbeiten dauerten insgesamt 22 Jahre und verschlangen an Baukosten die damals beachtliche Summe von rund 400.000 Thalern. Das Ergebnis konnte sich aber sehen lassen - es entstand ein 5481¼ Lachter (= 10.525 Meter) langer, etwa 2 Meter hoher und ungefähr 1,20 Meter breiter Wasserstollen. Der letzte Durchschlag erfolgte am 5. September 1799 durch den Oberbergmeister Steltzner, welcher einen großen Teil seiner Schaffenskraft diesem Stollen gewidmet hatte. Im hohen Alter konnte er nun die Vollendung seines Lebenswerkes noch miterleben.

10 Tage später wurde der Tiefe Georg-Stollen feierlich eingeweiht. Zu diesem Anlaß versammelten sich etwa 6000 Gäste aus der gesamten Umgebung am Stollenmundloch in der Bergstadt Grund. Der Bedeutung des großen Werkes angemessen gaben Kanonen Salutschüsse ab und es läuteten die Glocken der Kirchen.

Einige Zeit nach seiner Fertigstellung wurde der Tiefe Georg-Stollen um einen Seitenarm hin zum Bockswieser Zug verlängert. Das gesamte Stollensystem war damit rund 26 Kilometer lang.

Die erhoffte Entlastung der Oberharzer Bergwerke durch den Tiefen Georg-Stollen erfüllte sich aber nur teilweise, da die Gruben zwischenzeitlich in noch größere Tiefen vorgedrungen waren. So gab es schon kurze Zeit nach Vollendung des Tiefen Georg-Stollen erste Planungen für einen weiteren, noch tieferen Wasserlösungsstollen - die "tiefe Wasserstrecke" und damit den späteren Ernst-August-Stollen.

 


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Weitere Informationen:
Wasserlösungsstollen im Harz | Das Oberharzer Wasserregal | Der Burgstätter Zug | Der Rosenhöfer Zug | Bad Grund | Clausthal-Zellerfeld | Der 13-Lachter-Stollen | Der Ernst-August-Stollen | Die Grube Caroline | Erläuterung von Begriffen rund um den Harzer Bergbau

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