Die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn AG (H.B.E.)

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Alte Gleisanlage der H.B.E. bei Timmenrode
Gleis der stillgelegten H.B.E.-Strecke von Blankenburg nach Thale in der Nähe von Timmenrode
Die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn-Aktiengesellschaft (H.B.E.) wurde am 27. März 1870 gegründet. Sitz der Gesellschaft war zunächst Braunschweig, später Blankenburg und ab 1949 wieder Braunschweig. Zweck der H.B.E. war die Erschließung des Landkreises Blankenburg mit Eisenbahn-Verkehrsinfrastruktur als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Transport der im Harz gewonnenen Rohstoffe in das Harzvorland und weiter in die deutschen Industriegebiete.

Der Baubeginn der rund 19 Kilometer langen Haupt-Eisenbahnstrecke von Halberstadt nach Blankenburg erfolgte bereits im gleichen Jahre 1870. Ihre Eröffnung war am 1. März 1873. Im Jahre 1880 entstand ein Abzweig von Langenstein nach Derenburg, welchen man 1907 bis Minsleben verlängerte. Von 1884 bis 1886 dauerte der Bau der etwa 27 Kilometer langen Harzbahn (heute "Rübelandbahn") von Blankenburg über Hüttenrode, Rübeland, Elbingerode, Königshütte bis nach Tanne. Insgesamt elf steile Gleisabschnitte zwischen Blankenburg und Rübeland wurden mit Zahnstangen versehen. Auf dieser Strecke kamen spezielle Zahnradbahnen zum Einsatz, welche extra dafür entwickelt wurden.

In den Jahren 1907 und 1908 erfolgte die schrittweise Eröffnung der 17,9 Kilometer langen Eisenbahnverbindung von Blankenburg nach Quedlinburg über Timmenrode, Thale, Warnstedt und Weddersleben mitsamt einem etwa 4 Kilometer langen Verbindungsgleis vom Gleisdreieck bei Thale/Nord zum Bahnhof Bodetal. Das Streckennetz der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahngesellschaft umfaßte zu diesem Zeitpunkt inklusive aller Nebenstrecken ca. 90,6 Kilometer. Hinzu kamen noch einige nur für den Güterverkehr verwendete Anschlußbahnen und Industriebahnen mit zusammen etwa 9,4 Kilometern, so daß die H.B.E. in ihrer Blütezeit über rund 100 Kilometer Gleisanlagen verfügte. Davon befanden sich etwa zwei Drittel auf preußischem und ein Drittel auf braunschweigischem Territorium (Landkreis Blankenburg).

Ab 1920 fuhren auf der Steilstrecke zwischen Blankenburg und Rübeland ebenfalls speziell für diesen Zweck konstruierte leistungsstarke Dampflokomotiven der sog. "Tierklasse". Diese lösten die Zahnradloks ab und machten die Zahnstangen im Gleisbett überflüssig. In den 1920er Jahren entstanden außerdem Pläne zur Streckenänderung der Rübelandbahn. Durch den Bau von zwei neuen Tunneln und mehreren Brücken konnte deren Streckenprofil abgeflacht und die Fahrzeit erheblich verkürzt sowie das Transportvolumen deutlich angehoben werden. Die ebenfalls vorgesehene Verlegung der Strecke zwischen Blankenburg und Hüttenrode wurde aber nicht verwirklicht.

Das Streckennetz der H.B.E. hatte den Zweiten Weltkrieg ohne nennenswerte Schäden überstanden. Daher konnte der Bahnbetrieb nach kurzer Unterbrechung zum Kriegsende ab Juni 1945 wieder aufgenommen werden. Im September 1946 wurde die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn-Aktiengesellschaft entschädigungslos enteignet. Ihr Besitz ging zunächst an die Provinz Sachsen, dann an die Sächsische Provinzialbahnen GmbH und 1950 an die Deutsche Reichsbahn. Die Gesellschaft blieb aber zur Verwaltung des Vermögens in den Westzonen weiter bestehen und war noch bis zum Jahre 1966 an der Börse notiert. In den 1970er Jahren erfolgte ihre Umwandlung in eine GmbH.

Während der Ära der DDR wurden bedeutende Teile des Streckennetzes stillgelegt und teilweise auch abgebaut. Dies betraf die Gleisabschnitte von Elbingerode nach Drei Annen Hohne, von Langenstein nach Derenburg, zwischen Königshütte und Tanne sowie Blankenburg und Quedlinburg. Die Strecke Thale-Quedlinburg wurde 1969 stillgelegt und 1975 abgebaut.

Im April und Mai 1994 fanden jeweils zwei Sonderfahrten auf der nicht mehr genutzten Strecke Blankenburg-Thale statt. Diese Aktion stieß auf reges Interesse bei Eisenbahnfreunden und Anwohnern. Es wurde hierbei auch der Wunsch geäußert, den Streckenabschnitt zu erhalten und auf diesem weiterhin gelegentliche bzw. sogar regelmäßige Fahrten mit historischen Fahrzeugen zu veranstalten. Doch ebenso wie in zahlreichen anderen Fällen war auch hier der Wille des Volkes nicht maßgebend. Bereits wenige Wochen später begann der Abbau eines Teils der Strecke vom Bahnhof Bodetal bis kurz vor Timmenrode im Rahmen einer sog. "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme". Ein weiteres Stück Gleis wurde im Herbst 2009 im Bereich der alten B6 bei Blankenburg entfernt.

Im Jahre 1999 wurde außerdem der Zugverkehr auf der Strecke Elbingerode-Königshütte eingestellt. Die offizielle Stillegung dieses Abschnitts erfolgte nach rund einem weiteren Jahr. Heute gibt es Personenverkehr nur noch auf der Stammstrecke zwischen Halberstadt und Blankenburg sowie Güterverkehr zwischen Halberstadt, Blankenburg und Elbingerode.

 


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